München (dpa) - Cool bleiben, Nerven bewahren. Nach sechs dominanten, aber auch emotionslosen Bundesliga-Alleingängen des FC Bayern müssen die Münchner Serienmeister beim großen Titel-Showdown mit Borussia Dortmund beweisen, dass sie auch ein Herzschlagfinale meistern können.

Negativer Druck? Angst vorm Versagen? Nervenflattern in München? Nein, nicht einmal der vor zwei Münchner Endspielen unter einer extremen Anspannung stehende Trainer Niko Kovac zweifelt am glücklichen Ende der Meister-Entscheidung.

"Im Winter haben wir gehofft, dass wir die Chance bekommen, am letzten Spieltag Meister zu werden. Jetzt haben wir sie", sagte Kovac. Neun Punkte lag der Serienchampion einst hinter dem BVB zurück. Kovac sieht seine Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr) bei der Heimaufgabe gegen seinen Ex-Club Eintracht Frankfurt in der klar besseren Position: "Wir können es selbst entscheiden!"

Zwei Punkte und 17 Tore beträgt das Plus auf den BVB, der seine letzte Partie bei Borussia Mönchengladbach gewinnen muss. Ohne Sieg ist es unmöglich, den Bayern die Meisterschale noch zu entreißen. Die Unwägbarkeiten des Fußballs, die irrwitzigsten Wendungen in letzter Sekunde beflügeln die Fantasie und liefern den Dortmunder Machern die Basis für eine Psycho-Kampagne, die deren Chef Hans-Joachim Watzke seit einer Woche fährt. Er beschwört die "Interaktion zwischen beiden Orten", hier die Allianz Arena, dort der Gladbacher Borussia Park.

"Es geht um Dynamiken, die entstehen", erläuterte Sportdirektor Michael Zorc: "Wenn wir in Führung gehen würden, könnte das etwas auslösen." Ein frühes Dortmunder 1:0, ein mögliches 2:0 - das könnte 650 Kilometer entfernt in den Köpfen der Münchner Stars zu Stress führen. "So eine Situation hatten wir noch nicht", sagte Thomas Müller zur Alles-oder-nichts-Situation der Bayern am 34. Spieltag.

Die Münchner nehmen sie an. "Wir wollen im eigenen Stadion von Anfang an zeigen, dass nur wir Meister werden wollen", tönte Müller, der den noch nicht fitten Torwart Manuel Neuer erneut als Kapitän vertreten wird. "Wir sind jetzt so nah dran und wollen uns das nicht mehr nehmen lassen", sagte Leon Goretzka, einer der wenigen Münchner Profis, für die es wie für Coach Kovac um den ersten Meistertitel der Karriere geht. Man werde "alles reinhauen", versprach Goretzka.

Das Gute und Spannende zugleich ist: Für alle vier Clubs geht es um alles. Bayern und der BVB streiten um die Schale. Gladbach (Platz vier) und Frankfurt (Sechster) wollen ins Millionenspiel Champions League. Alles gewinnen, alles verlieren, mehr Nervenkitzel geht nicht. "Das wollen die Deutschen doch alle haben", sagte Watzke. Emotionen, Bierduschen, bangende Fans, Dramatik pur.

Ein erhöhter Puls ist gewiss, auch wenn mancher Verantwortlicher es lieber entspannter hätte. Über so viel Brisanz seien sein Ex-Coach Kovac und er "not amused", bemerkte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic. Die Eintracht könnte nach einer furiosen Reise durch Europa im Extremfall sogar auf Rang acht abstürzen und die erneute internationale Zulassung verpassen.

Bayerns Kovac, Dortmunds Lucien Favre, Gladbachs Dieter Hecking und Frankfurts Adi Hütter - alle vier Trainer hoffen und bangen. Ein extremer Druck lastet aber auf Kovac, der mit etlichen Wünschen in die letzte Saisonwoche geht, die ihm zwei Endspiele beschert; erst das Liga-Finale "dahoam", dann das um den DFB-Pokal gegen RB Leipzig.

"Ich will Meister werden mit meiner Mannschaft, mit meinem Club. Das ist das Ziel", erklärte Kovac. Er möchte auch "den Vertrag erfüllen", der bis 2021 läuft. Das erste Münchner Jahr hat an ihm gezehrt, viele Dinge erzeugten seelischen Schmerz. "Ich habe auch gemerkt, wie schwierig es ist, Mensch zu bleiben", bekannte er aktuell.

Auch im Titelspiel gegen Frankfurt menschelt es. Stellt Kovac rein rational auf, also die Flügelzange Coman/Gnabry? Oder zieht er die menschliche, die emotionale Karte und lässt Franck Ribéry und Arjen Robben in ihrem letzten Spiel als Bayern-Profis in der Allianz Arena noch einmal zusammen von Anfang an vor 75.000 Zuschauern ran? Zur Erinnerung: Beim 3:0-Hinspielsieg in Frankfurt traf Ribéry zweimal.

"Ich lasse Sie ein bisschen im Nebel", bemerkte Kovac zur Option "Robbéry", mit der er die einzigartige Fan-Unterstützung auslösen würde, die er sich bei diesem Endspiel wünscht. Robben, der die Dortmunder schon 2013 in Wembley mit seinem Last-Minute-Siegtor im Champions-League-Finale leiden ließ, träumt schon die ganze Woche von einem letzten Tor, das seine Bayern zum Meister kürt. "Das wäre der absolute Hammer", sagte der 35 Jahre alte Niederländer.

Dortmunds Titeltrumpf heißt Marco Reus. Nach zwei Spielen Sperre kehrt er zurück. Ausgerechnet im Stadion seines Ex-Vereins könnte Kapitän Reus erstmals die Meisterschale in Händen halten. "Ich habe das Gefühl, dass wir vor großen Dingen stehen", orakelte ausgerechnet der Berufsskeptiker Watzke - großen Dingen in München und Gladbach.

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