Berlin (dpa) - Während sich nach dem Wahlsieg des FDP-Politikers Thomas Kemmerich in Thüringen zahlreiche Politiker zu Wort melden, bleibt einer auffallend bedeckt: der unterlegene Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Für Interviews kaum greifbar, meldet sich der Linken-Politiker auf Twitter - doch auch hier nicht direkt. Entweder teilt er die Beiträge anderer oder lässt seinen Hund Attila für sich sprechen, für den ein eigenes Profil eingerichtet ist.

Ramelow retweetet Forderungen zu Neuwahlen - in Thüringen, wie sein ehemaliger Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) verlangt, und im Zweifel auch auf Bundesebene. In einem von Ramelow geteilten Beitrag des SPD-Politikers Karl Lauterbach heißt es: "Kommt es nicht zu Neuwahlen lässt sich die GroKo nicht fortsetzen. Dann sollte es Neuwahlen im Bund geben."

Zudem teilt er folgendes Zitat von Hoff, das an die Adresse von Kemmerich gerichtet ist: "Sie sind Ministerpräsident von Gnaden derjenigen, die Millionen ermordet haben." Auf dem Profil seines Hundes veröffentlicht er eine Petition, die den Rücktritt Kemmerichs fordert.

Kritik äußert er an FDP und CDU mit den Worten von Katarina Barley (SPD): "An diesem Tag habt ihr eure Unschuld verloren, CDU und FDP."

In Ramelows bislang einzigem eigenen Beitrag auf seinem offiziellem Profil veröffentlichte er in der Nacht zu Mittwoch ein Zitat von Adolf Hitler von 1930. ""Den größten Erfolg erzielten wir in Thüringen. Dort sind wir heute wirklich die ausschlaggebende Partei. [...] Die Parteien in Thüringen, die bisher die Regierung bildeten, vermögen ohne unsere Mitwirkung keine Majorität aufzubringen." A. Hitler, 02.02.1930", heißt es in dem Post. Dazu zeigt er auch ein Bild von Kemmerich und dem Thüringer Landesparteichef der AfD, Björn Höcke.

Bei der Wahl zum Thüringer Ministerpräsidenten am Mittwoch wurde im dritten Wahlgang überraschend der FDP-Vorsitzende Kemmerich gewählt - auch mit den Stimmen der AfD. Ramelow unterlag mit einer Stimme weniger. Der Landesparteichef der AfD Höcke ist der Gründer des rechtsnationalen "Flügels" der AfD. Der "Flügel" wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich Rechtsextremismus eingestuft.

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