Bukarest (dpa) - Rumäniens alter und voraussichtlich wiedergewählter Staatspräsident Klaus Iohannis kam als Quereinsteiger in die Politik.

Die konservative Nationalliberale Partei (PNL) entdeckte den proeuropäischen und liberalen Siebenbürger Sachsen im Jahr 2014 für die große Politik und machte Iohannis zu ihrem Präsidentschaftskandidaten - als damalige Notlösung, da es an geeigneten Parteisoldaten mangelte. 

Hohe Anerkennung hatte sich Iohannis von 2000 bis 2014 als pragmatischer Bürgermeister seiner Geburtsstadt Hermannstadt (Sibiu) erworben. Durch sein Wirken - so meinen viele Beoabachter- blühte die Stadt wirtschaftlich und kulturell auf. Von 2001 bis 2013 war Iohannis zudem Vorsitzender des Interessenverbandes Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR).

Geboren wurde Iohannis am 13. Juni 1960. Seine professoral wirkende Art eignete er sich wohl während seiner langen Laufbahn als Physiklehrer am altehrwürdigen Brukenthal-Gymnasium von Hermannstadt und als Schulinspektor an. Seine Anhänger finden diesen Stil für das an politisches Spektakel gewöhnte rumänische Publikum bisweilen als zu wenig aggressiv. Seine Gegner schreiben ihm wegen seiner vornehmen Wortkargheit und Scheu vor den Medien Arroganz zu.

Sein erste Amtszeit als Staatschef war vom Dauerkonflikt mit der von den Sozialdemokraten (PSD) dominierten Regierung überschattet. Die PSD, die bis zum 4. November regiert hatte, ging beim Thema Justiz auf Konfrontationskurs zur EU. Nach dem Geschmack vieler seiner Anhänger unternahm Iohannis dagegen zu wenig. Denn: Die Macht dazu hätte er ihrer Einschätzung zufolge gehabt. In Rumänien bestimmt der Staatschef die Außen- und Sicherheitspolitik. Auf die Innenpolitik hat er dagegen nur begrenzt Einfluss. In seiner neuen Amtszeit kann er sich nun auf eine ihm nahe stehende Regierung unter Führung der PNL stützen.