New York (dpa) - Wie soll der Klimaschutz in den kommenden Jahren aussehen? 

Dazu wollten Dutzende Staats- und Regierungschef am Montag beim UN-Klimagipfel in New York Pläne präsentieren. Ein Blick in die Welt zeigt: Viele Länder sind noch längst nicht auf klarem Klimaschutz-Kurs.

CHINA: China ist als bevölkerungsreichstes Land der Erde auch der größte Klimasünder und der größte Verbraucher von Kohle - einer der umweltschädlichsten Energiequellen. Rund zwei Drittel der Energie in China kommt aus Kohle und es werden neue Kohlekraftwerke gebaut. Auch finanziert China rund ein Viertel aller Kohlekraftwerke, die heute im Rest der Welt noch gebaut werden - das entspricht dem Doppelten der gegenwärtigen deutschen Kohlekapazität.

Aber gleichzeitig treibt das Riesenreich auch erneuerbare Energien voran. Nirgendwo sonst in der Welt wird so viel Energie aus Wasser- und Windkraft oder aus Solaranlagen gewonnen. Klar ist: China spielt schon wegen seiner Größe eine Schlüsselrolle. Seine bisherigen Anstrengungen bewerten Klimaschützer aber als "höchst unzureichend". Schienen Chinas CO2-Emissionen zwischen 2014 und 2016 zu stagnieren, stiegen sie 2018 wieder um 2,3 Prozent. Nach den Vorhersagen werden Chinas Emissionen noch bis 2030 ansteigen.

USA: Die USA sind laut US-Umweltbehörde mit einem Ausstoß von rund 6,5 Milliarden Tonnen CO2 hinter China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist stolz darauf, strenge Umweltvorschriften nach und nach abzuschaffen oder zu entschärfen. Zum Beispiel will Washington Kalifornien und anderen Bundesstaaten bei Autoabgasen künftig nicht mehr erlauben, eigene strengere Standards zu setzen. Trump spricht gerne über die zunehmende Förderung von Öl und Gas; erneuerbare Energien kommen nur selten vor - und für die Windkraft hat er nur Häme übrig.

Trotz der Haltung der Regierung haben sich viele Städte, Bundesstaaten und Unternehmen ehrgeizigen Klimazielen verschrieben. Im Bundesstaat Texas - vor allem bekannt für seine Ölförderung - boomt die Windkraft, die sich dort als lukrativ erwiesen hat. Der Versandhändler Amazon wiederum kündigte vor wenigen Tagen an, seine Emissionen künftig so stark zu reduzieren oder zu kompensieren, dass der gesamte Konzern ab 2040 klimaneutral sein wird.

BRASILIEN: Präsident Jair Bolsonaro hat seine Ankündigung bislang nicht umgesetzt, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszutreten. Seine Umweltpolitik geriet aber zuletzt international massiv in die Kritik. Die Zahl der Abholzungen und Brände im Amazonasgebiet hat kräftig zugelegt. Bolsonaro will dort keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Das dient unter anderem dem Export von Rindfleisch und Soja. Ein Fünftel des weltweiten Sauerstoffs gelangt nach Ansicht vieler Forscher über das Amazonas-Waldgebiet in die Erdatmosphäre.

Brasilien, das laut UN sechstbevölkerungsreichste Land der Welt, liegt nach den jüngsten Zahlen der Internationalen Energieagentur an 13. Stelle der Staaten mit den höchsten CO2-Emissionen. Seinen Strombedarf deckt das größte lateinamerikanische Land vor allem durch Wasserkraft.

RUSSLAND: Russland gehört zu den Ländern mit dem größten Ausstoß weltweit an klimaschädlichen Treibhausgasen. Grund dafür ist nicht nur die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Gas, Öl und Kohle. Durch das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien werden zudem gewaltige Mengen an Methan freigesetzt. Auch die jüngsten Wald- und Flächenbrände sowie die Jahrhundert-Überschwemmung in Sibirien sehen Umweltexperten als Folgen des Klimawandels.

Zwar hat sich Russland zu den Zielen des Klimaschutzabkommens von Paris bekannt. "Bei uns in Russland vollzieht sich die Erwärmung doppelt so schnell wie sonst auf der Erde", begründete Präsident Wladimir Putin im Juni den Handlungszwang. Unklar ist aber, wie das Land die Ziele erreichen will. Sein Staatshaushalt ist extrem abhängig von den Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport. Dagegen liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in Russland bei noch nicht einmal einem Prozent.

INDONESIEN: Indonesien gehört unter den Schwellenländern zu den größten Klimasündern. Der riesige Inselstaat in Südostasien zählt inzwischen mehr als 260 Millionen Einwohner. Damit der wachsende Stromverbrauch gedeckt werden kann, werden derzeit viele Kohlekraftwerke gebaut. Präsident Joko Widodo hat nach seiner Wahl aber versprochen, mehr auf alternative Energien zu setzen.

Das Land hat große Umweltprobleme, die sich auch negativ auf die Klimabilanz auswirken. Auf den Inseln Borneo und Sumatra stehen derzeit viele Wälder in Flammen. Dort wurden in den vergangenen Jahren große Flächen Urwald abgeholzt. Die Hauptstadt soll demnächst umgesiedelt werden - aus Jakarta, einer Riesenstadt mit Dauerstaus und dramatisch steigendem Wasserpegel, nach Borneo. Die neue Metropole muss aber erst noch aus dem Boden gestampft werden.

SÜDAFRIKA: Der wind- und sonnenreiche Kohleproduzent Südafrika gilt als Land mit den höchsten Treibhausgasemissionen des Kontinents Afrika - weltweit gehört er zu den 15 größten Verursachern von CO2-Emissionen. Denn Afrikas zweitgrößte Volkswirtschaft setzt überwiegend auf Kohle - sie steht für etwa 90 Prozent der Stromproduktion. Südafrika, das lange weitere Ergänzungen für sein bisher einziges Atomkraftwerk erwogen hatte, wandelt mangels Ölvorräten Kohle auch in flüssigen Kraftstoff um. Der Stromanteil aus erneuerbaren Energien wird mit unter fünf Prozent angesetzt.

Um globale Klimaschutzvorgaben zu erfüllen, hat das Schwellenland zum 1. Juni eine CO2-Steuer von umgerechnet knapp 8 Euro je Tonne für Unternehmen eingeführt. Umweltschützer rügten sie als zu gering, da sie noch durch Steuervorteile und Abschreibungen drastisch reduziert werden kann. Dennoch hat der Bergbauverband gerade um eine Verschiebung der Steuer gebeten. Die Industrie verweist angesichts der Kostensteigerungen auf das Job-Risiko in einem Land mit einer offiziellen Arbeitslosenquote von 29 Prozent.

AUSTRALIEN: Kein anderes Land auf der Welt exportiert so viel Kohle wie Australien. Die eigene Stromversorgung beruht zu fast zwei Dritteln (62 Prozent) darauf. So gehört Australien zu den 20 größten Klimasündern weltweit. Seit Jahren wird heftig darüber gestritten, wie das geändert werden kann. Umweltschützer und große Teile der Opposition sind deshalb für eine Kohlesteuer. Die Parlamentswahl vor ein paar Monaten gewann jedoch der konservative Premierminister Scott Morrison, der einst einen Kohleklumpen mit ins Parlament brachte und versicherte, vor Kohle müsse niemand Angst haben. Die Regierung will aber auch Sonnen- und Windkraft fördern, die Voraussetzungen dafür sind so gut wie kaum woanders.

Der Klimawandel ist Down Under aber auch schon sehr zu spüren. Mehr als ein Dutzend Gemeinden bereiten sich derzeit darauf vor, dass ihnen wegen teils extremer Dürre im demnächst beginnenden australischen Sommer das Wasser ausgehen könnte. Im vergangenen Sommer wurden im Landesinneren fast 50 Grad gemessen. Man sieht das aber auch vor der Küste: Das weltgrößte Korallenriff Great Barrier ist zu weiten Teilen ausgeblichen, was Experten auf zu hohe Wassertemperaturen zurückführen.