Berlin (dpa) - Die Vorfreude steigt bei Bundestrainer Joachim Löw und seinen WM-Kandidaten. Brasilien ist für alle ein ganz spezieller Länderspiel-Kontrahent, erst recht nach dem Jahrhundertsieg im WM-Halbfinale vor knapp vier Jahren in Belo Horizonte.

Viel reden über das 7:1 wollten die deutschen Fußball-Nationalspieler vor der Neuauflage des Duells - auf Testebene - nicht. "Nein, das ist vorbei", sagte der Münchner Mats Hummels, der 2014 in Halbzeit eins (5:0) die Gastgeber mit gedemütigt hatte.

"Brasilien ist ein weiterer Favorit auf den Titel, der uns erwartet. Es wird wieder ein sehr guter Härtetest", betonte Hummels. Wie beim WM-Duell vor vier Jahren wird auch dieses Mal der brasilianische Superstar Neymar verletzt fehlen. "Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob Neymar spielen kann. Jeder kennt seine Qualitäten", sagte Torhüter Marc-André ter Stegen, der am Sonntag eine Trainingspause eingelegt hatte. Allerdings: So abhängig wie vor vier Jahren sei die brasilianische Elf nicht mehr von den Künsten des teuersten Fußballspielers der Welt, bemerkte Ilkay Gündogan.

Der Manchester City-Profi soll wie sein Clubkollege Leroy Sané und der Hertha-Linksverteidiger Marvin Plattenhardt im Vergleich zum 1:1 gegen Spanien neu in Löws Startelf rücken. Der Bundestrainer erwartet die Brasilianer im mit über 70.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion "wesentlich stärker" als bei der Heim-WM.

Löw wird sein Personal noch einmal theoretisch und praktisch auf die wiedererstarkten Brasilianer vorbereiten. Diese stimmen sich auf dem Gelände des Berliner Zweitligisten 1. FC Union auf den Länderspiel-Klassiker ein. Für den Abend ist im Olympiastadion das Abschlusstraining des Weltmeisters angesetzt.

Hier zusätzliche Daten und Fakten zum Spiel:

BILANZ: Das Testspiel ist die 940. Partie in der Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft. Bislang gab es 548 Siege, 191 Remis und 200 Niederlagen. Das Torverhältnis ist mit 2115:1101 auch positiv.

BUNDESTRAINER: Für Joachim Löw ist es das 160. Länderspiel als Bundestrainer. 106 Siege, 30 Unentschieden und 23 Niederlagen stehen in der herausragenden Bilanz des 58-Jährigen.

REKORDJAGD: Aktuell erlebt die DFB-Auswahl die längste Erfolgsserie in der zwölfjährigen Cheftrainer-Amtszeit von Löw. Seit 22 Spielen ist der Weltmeister ungeschlagen (16 Siege, sechs Unentschieden). Die letzte Niederlage gab es am 7. Juli 2016 im EM-Halbfinale beim 0:2 gegen Turniergastgeber Frankreich in Marseille. Bleibt die DFB-Elf auch gegen Brasilien ohne Niederlage, würde der Rekord von 23 ungeschlagen Länderspielen unter Bundestrainer Jupp Derwall von Oktober 1978 bis Dezember 1980 egalisiert.

BRASILIEN: Die DFB-Bilanz gegen den Rekordweltmeister ist schlecht. Von 22 Spielen gegen Brasilien konnten nur fünf gewonnen werden. Zwölfmal siegten die Südamerikaner. Vor dem Wiedersehen in Berlin geht es aber nur um ein Ergebnis: Das deutsche 7:1 im WM-Halbfinale 2014 in Belo Horizonte. Die höchste Niederlage gegen die Brasilianer ist ein 0:4.

KADER: Nachdem Joachim Löw Bayern-Profi Thomas Müller (90 Länderspiele) und Mesut Özil vom FC Arsenal (89 Einsätze) nach dem 1:1 gegen Spanien freigegeben hat, ist Toni Kroos der erfahrenste deutsche Akteur. Der Weltmeister von Real Madrid könnte zum 82. Mal im Nationaltrikot auflaufen. Länderspiel-Neulinge fehlen zum Start ins WM-Jahr im deutschen Kader, der noch 23 Akteure umfasst.

TORJÄGER: Thomas Müller erzielte gegen Spanien sein 38. Tor für Deutschland. Nach der Abreise des Münchners ist Mario Gomez (VfB Stuttgart) mit 31 Toren der erfolgreichste Torschütze im Aufgebot. Auf eine zweistellige Trefferzahl kommt daneben nur Toni Kroos (12).

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