Museum

Bleistiftbilder in Millionen Farben

Bleistiftzeichnungen des Künstlers Willy Jähnig (1902 - 1990) sind derzeit im Gardeleger Museum zu sehen.

Von Petra Hartmann 11.04.2017, 03:00

Gardelegen l Zur Vernissage am Sonnabend waren die Frau des Künstlers, die Pianistin und Lyrikerin Pia-Monika Nittke, und die Tochter Elisabeth Heinemann nach Gardelegen gekommen. Elisabeth Heinemann hatte einige Zeichnungen ihres Vaters mitgebracht, die nicht in der Ausstellung zu sehen waren, darunter fröhliche bunte Hintergründe, die Jähnig für Defa-Zeichentrickfilme gemalt hat, und farbenfrohe Blumenmotive, die als Vorlage für die Porzellan-Manufaktur in Meißen dienten.

An deren Zeichenschule hatte Jähnig sein Handwerk gelernt und hatte später zahlreiche Motive für die Porzellan-Manufaktur gestaltet. Das einzige Foto der Ausstellung zeigt den Künstler daher auch als knapp 30-Jährigen in seinem Atelier in der Meißner Manufaktur. Von hier aus unternahm er seine Streifzüge in die Stadt Meißen, hielt alte Gebäude im Bild fest, die heute längst der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind, schuf „Geschichtsbilder im wahrsten Sinne des Wortes“, wie der Maler und Dichter Günter Kunert einmal über Jähnigs Werke sagte.

Gern ging Jähnig aber auch, wie andere Malerkollegen aus der Manufaktur „Landschaftern“, das heißt: hinaus in die freie Natur auf der Suche nach neuen Eindrücken und interessanten Pflanzenstrukturen. „Landschaftern“ war auch der Titel eines Gedichts, das Pia-Monika Nittke ihrem Mann gewidmet hat und auf der Vernissage vortrug. Darin heißt es: „mit zeichenblock und stift / sitzt er an einem stillen fleck / auf kleinem hocker / fernab brandet verkehr // mit klarem blick / umfasst er die landschaft / erwägt perspektive / misst entfernung mit dem auge / sieht das wesentliche“.

Dass das „Landschaftern“ Jähnigs besondere Leidenschaft war, lässt sich in den ausgestellten Bildern durchaus erkennen. Bäume und Sträucher, windbewegtes Laub, darunter vielleicht eine bemooste Bank mit einem Liebespaar darauf, Wildblumen, das alles hat er mit feinem Zeichenstift eingefangen und aufs Papier gebannt. „Es sind Bleistiftzeichnungen, schwarzweiß hat hier das Regiment“, sagte Rupert Kaiser, Verwaltungsmitarbeiter für Kultur, bei der Vernissage. „Aber wenn Sie jede einzelne Zeichnung genau anschauen, dann werden Sie entdecken, wie viel Millionen von Farben man mit einem Bleistift erzeugen kann.“

Die Ausstellung „Die Feinheit des Sehens – Meisterzeichnungen von Willy Jähnig“ ist noch bis zum 21. Mai im Gardeleger Museum zu sehen. Eine Finissage gibt es am Sonntag, 21. Mai, am internationalen Museumstag. Sie beginnt um 11 Uhr. Dann liest die Lyrikerin Pia-Monika Nittke aus eigenen Werken vor.