IT in Schulen

Corona bremst Digitalpakt aus

Knapp drei Monate vor Ablauf der Antragsfrist für den „Digitalpakt Schule“ haben Sachsen-Anhalts Schulträger erst die Hälfte der vorhandenen Mittel beantragt.

05.04.2021, 00:00

Magdeburg

Erst am Wochenende zog die Stadt Halle die Notbremse: Wegen massiv gestiegener Corona-Fallzahlen findet Unterricht ab heute vorerst wieder zu Hause statt. Im Idealfall heißt das: digital. Doch auch ein Jahr nach Pandemie-Beginn nimmt die Digitalisierung der Schulen erst allmählich Fahrt auf. Das zeigt sich bei der Umsetzung des „Digitalpakts Schule“, einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm von Bund und Ländern für Netzwerke und neue Endgeräte in Schulen:

Anderthalb Jahre nach dem Start des Programms hatten Sachsen-Anhalts Schulträger Mitte März 353 Anträge mit einem Volumen von 58 Millionen Euro eingereicht, wie aus Zahlen des Bildungsministeriums hervorgeht. Abzurufen sind aber 123 Millionen Euro. Und: Die Antragsfrist endet am 30. Juni.

Die Zwischenbilanz bewog Bildungsstaatssekretärin Eva Feußner (CDU) noch Mitte Februar sich mit einem Brief an Schulträger und Schulen zu wenden: „Die Antragslage lässt erkennen, dass (...) noch erhebliche Anstrengungen notwendig sind“, schrieb sie.

Ein Konzept für jede Schule nötig

Der Harzkreis etwa hatte bis Ende März von der ihm zur Verfügung stehenden Summe von 7,5 Millionen Euro erst Anträge für ein Volumen von 650.000 Euro gestellt. Doch warum? „Problematisch ist die pandemische Lage seit über einem Jahr“, sagte Kreissprecherin Jessica Walzak. Mitarbeiter der Schul-IT hätten verstärkt andere Arbeiten übernehmen müssen, etwa den Aufbau eines Impfzentrums.

Zusätzliche Hürde: Um an Fördergeld zu kommen, müssen die Schulträger für jede Schule ein Konzept einreichen – in Magdeburg insgesamt 55. Die Landeshauptstadt hat das geschafft. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) kritisierte dennoch zuletzt: „Viel einfacher wäre es gewesen, je ein Konzept für eine Schulform zu entwickeln.“ Das aber wollte der Bund als Hauptgeldgeber nicht.

Das Landes-Bildungsministerium stellt den Trägern nach eigenen Angaben aber zahlreiche Hilfen zur Verfügung: So seien 2020 mehr als 1000 Beratungsgespräche geführt worden, sagte Sprecher Stefan Thurmann.

Zu Hause fehlt die Technik oft

Trotz der Zwischenbilanz kommt Bewegung in die Antragstellung: Lagen am 15. Juni 2020 erst 45 Anträge beim Land, stieg die Zahlen seither deutlich: auf 187 Anfang November und 353 Mitte März. 250 Anträge (Fördervolumen 34,3 Millionen Euro) sind vom zuständigen Landesverwaltungsamt bislang bewilligt.

Minister Marco Tullner (CDU) sagte: „Der Digitalpakt hat deutlich an Fahrt aufgenommen.“ Viele Kommunen befänden sich bereits in der Umsetzung.

Ergänzt wird das Programm durch Leih-Laptops für Schüler. 15.000 Geräte wurden vom Land zentral bestellt, weitere von Kommunen. Zusätzliche Geräte für Lehrer sollen folgen.

Die Komarow-Sekundarschule in Stendal erhielt im Mai 2020 als eine der ersten Schulen im Land eine Förderung von rund 60.000 Euro aus dem Digitalpakt. Neue PC konnten so gekauft, der Internetanschluss modernisiert, werden sagt Leiterin Christiane Bloch. Zusätzlich gab es inzwischen 30 Laptops. „Die Ausstattung der Schüler zu Hause hinkt aber hinterher“, sagt die Leiterin. Viele Familien im Viertel seien Geringverdiener – ohne Internet. „Wir haben unseren Schülern daher auch im Lockdown wiederholt Konsultationstermine in der Schule angeboten.“