Streit um Investorenpläne rund um das alte LPG-Gelände / Protest aus Irxleber und Gersdorfer Straße

Debatte um Eigenheime und Supermarkt am Kümmelsberg

09.09.2011, 04:28

Statt verfallener Stallgebäude sollen schon bald schmucke Eigenheime dem alten LPG-Gelände am Kümmelsberg ein neues Gesicht geben. Auch der Diesdorfer Rewe-Markt will näher an dieses Areal ziehen. Doch genau darum gibt es nun Diskussionen. Und es droht im Umfeld noch mehr Ärger.

Diesdorf. Das alte Gelände der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) am Kümmelsberg ist für die Diesdorfer schon lange ein Ärgernis. Mehrere Anläufe von Investoren, das Gelände als Wohnstandort zu entwickeln, waren seit dem Ende der LPG gescheitert. Nun gibt es konkrete Pläne der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, die Flächen zu beräumen und Eigenheimgrundstücke zu vermarkten (Volksstimme berichtete).

Ein entsprechender Bebauungsplan wurde schon aufgestellt. Im November soll er vom Stadtrat als Satzung beschlossen werden, um den Weg für die neue Siedlung freizumachen. "Wenn sich hier endlich etwas Positives tun würde, wäre das ein echter Segen", freut sich denn auch Stadtrat Bernd Reppin (CDU) aus Diesdorf.

Noch sind aber Fragen offen. Strittig ist vor allem die Verkehrsanbindung des geplanten Eigenheimgebiets. Ursprünglich war die Erschließung über den Kümmelsberg vorgesehen. Nach Auskunft der Stadt gibt es hier aber Probleme, da die Landgesellschaft für eine Zufahrt vom Kümmelsberg aus Grundstücke anderer Besitzer kaufen müsste, es dazu aber bisher zu keiner Einigung kam.

Anwohner protestieren

Die Stadtverwaltung will deshalb eine Zufahrt von Süden über die Irxleber und die Gersdorfer Straße ermöglichen, andernfalls könne das ganze Bauvorhaben in Gefahr geraten.

Dazu bedarf es aber eines entsprechenden Stadtratsbeschlusses.

Und: Genau gegen diese Variante protestieren nun die Anwohner: "Die schmalen Straßen sind für schwere Baustellenfahrzeuge nicht geeignet.

Die Anwohner befürchten, dass auch die Bausubstanz ihrer Häuser den Belastungen des zu erwartenden Baustellenverkehrs nicht gewachsen sein wird", sagt Bernd Reppin. Auch er als Stadtrat wolle diesen Vorschlag ablehnen.

Zumal eine andere Lösung mit Erschließung über den Kümmelsberg durchaus möglich wäre, erklärt Reppin – und verweist auf einen Investor, der in Höhe des möglichen neuen Eigenheimgebietes parallel einen Neubau für Rewe plant.

Klaus Off vom Unternehmen OMP Projektentwicklung bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage: "Wir wollen für Rewe am Kümmelsberg einen Neubau errichten, weil sich Rewe verändern und das bisherige Objekt verlassen will." Der neue Standort soll südlich des Blumengroßhandels in unmittelbarer Nähe des LPG-Areals liegen.

Wie bereits berichtet, lehnt die Stadt den Neubau eines Einkaufsmarktes aber ab – mit Verweis auf das Märktekonzept. Die Begründung ist für Klaus Off nicht nachvollziehbar, argumentiert die Stadt doch, eine Erweiterung der Verkaufsflächen am Kümmelsberg müsse verhindert werden. Klaus Off stellt klar: "Es geht nicht um eine Erweiterung, sondern um eine Verlagerung des bestehenden Marktes."

Angebot des Investors

Es sei ein Objekt in energetischer Bauweise geplant, auch solle die Parkplatzsituation verbessert werden. Die Verkaufsfläche solle sich hingegen nicht vergrößern, sondern weiterhin bei rund 1700 Quadratmetern liegen.

Das Interesse der Handelskette an einer neuen Wohnbebauung ist aus geschäftlicher Sicht auch nachvollziehbar. Investor OMP machte der Stadt deshalb bereits ein Angebot, das die Kommune zumindest aus Sicht von CDU-Rat Reppin und der Anwohner von Irxleber und Gersdorfer Straße auch annehmen sollte. Klaus Off dazu: "Wir haben der Stadt angeboten, die Zuwegung für das neue Gebiet über den Kümmelsberg kostenfrei zu ermöglichen. Wir haben Zugriff auf die notwendigen Grundstücke." Dafür stellt er eine Bedingung: das Ja zum Bau eines neuen Einkaufsmarktes. Hierüber entscheidet der Stadtrat voraussichtlich am 13. Oktober.