Sanierung

Der Balkonstreit von Olvenstedt

Die Wohnungsgenossenschaft Post und Energie möchte marode Balkone austauschen. Die neuen ragen jedoch ein paar Zentimeter auf ein Grundstück der Stadt.

Neu-Olvenstedt

Es erinnert ein wenig an einen Streit am Gartenzaun. Nur wird in diesem Fall nicht an einem Zaun gestritten, sondern an der Grundstücksgrenze. Auch ragt kein Ast oder Strauch hinüber, sondern ein Balkon.

Auf der einen Seite der Auseinandersetzung steht die Wohnungsgenossenschaft Post und Energie eG. Sie erneuert derzeit sukzessiv die alten, mitunter maroden Balkone vom Bruno-Beye-Ring 29 bis 47. In diesem Zusammenhang erhalten die bereits 2004 gedämmten Fassaden auch einen neuen Anstrich mit den Farben des Unternehmens. Zwei Blöcke wurden im vergangenen Jahr bereits fertiggestellt, die nächsten drei von neun Blöcke sollen in diesem Jahr folgen.

Doch an Haus 41 gerät das Vorhaben ins Stocken. Der Grund: Die neuen Balkone, die nicht ganz einen Meter tiefer sind als die bisherigen, sehr schmalen Balkone, ragen über die Grundstücksgrenze hinweg.

Auf der anderen Seite der Konfliktgrenze steht die Stadt. Diese zeigt sich über den „Überhang“ wenig begeistert und bringt das Vorhaben vorerst zum Erliegen. Es sei wohl, obgleich der B-Plan ein parkähnliches Gelände vorsieht, der Verkauf des Grundstückes geplant, erzählt Post und Energie-Vorstand Hartmut Voigt. Lange schon streitet er sich um die wenigen Zentimeter „Überhang“ mit der Stadt. Wut und Unverständnis begleiten ihn. „Wenn es darum geht, von uns etwas zu bekommen, Spenden oder unseren Leer-stand zu nutzen, hält die Stadt die Hand auf. Nur umgekehrt funktioniert dies nicht“, sagt er. „Mich ärgert die Einstellung der Stadt. Ich wünsche mir, dass wir wie Partner behandelt werden und nicht wie Bittsteller.“

Tatsächlich bestätigt die Stadt die Bauabsichten auf ihrem Grundstück und erklärt: „Das Areal, in dem sich unter anderem das Wohnhaus Bruno-Beye-Ring 41 befindet, liegt im Geltungsbereich des sich in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanes Nr. 229-5 ’Sternbogen’.“

Vier- bis sechsgeschossige Wohnbebauung geplant

Dieser sehe unter anderem auf den an das Grundstück Bruno-Beye-Ring angrenzenden, stadteigenen Grundstücken Baufelder für eine vier- bis sechsgeschossige Wohnbebauung vor. Für drei der zu errichtenden Balkonanlagen habe der zuständige Fachbereich Liegenschaftsservice die Übernahme der Abstandsflächenbaulasten bestätigt. Für die Genehmigung der Balkonanlage an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes Bruno-Beye-Ring 41 werde unter Berücksichtigung der künftig avisierten Bebauung entsprechend dem sich in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan Nr. 229-5 derzeit durch das Bauordnungsamt nach Lösungen gesucht, heißt es aus der Stadtverwaltung.