Bemalter Marktplatz

Kreide ist ein hartnäckiger Gegner

Nach der Kontroverse um den bemalten Marktplatz erklärte sich „Fridays for Future“-Stendal bereit, diesen zu reinigen. Ob das Ergebnis die Kritiker besänftigt?

05.04.2021, 00:00

Stendal

Ein wenig mühselig sieht es an der ein oder anderen Stelle aus, als die Stendaler Mitglieder der Klimabewegung „Fridays for Future“ am Sonnabendvormittag den Marktplatz schrubben. Die Sprühkreide erweist sich als widerspenstiger, zäher Gegner. Widerspenstiger als gedacht. Die Farbe klebt hartnäckig am vor vier Jahren erneuerten Granit-und Basaltpflaster.

Einmal schnell mit der Bürste oder dem Besen rüberzugehen, reicht nicht, um die Hinterlassenschaften einer Demonstration, die am 19. März stattgefunden hatte, zu entfernen. Damals hatten die Demonstranten den Marktplatz großflächig mit ihren Botschaften überzogen. Das Problem dabei: Nicht jedem gefiel die Aktion. Insbesondere, dass die Schriftzüge auch noch Wochen später zu sehen waren, stieß auf Unverständnis bei einigen Bürgern und der Stadtverwaltung gleichermaßen.

Die einen störten sich am Gesamtbild, die anderen befürchteten dauerhaften Schaden am Pflaster. Inklusive möglicherweise horrender Reinigungskosten. Am Ende einigte sich die Fridays for Future-Gruppe mit der Stadtverwaltung, das Problem in Eigenregie zu lösen.

Und so stehen Klimaaktivisten an einem ungemütlichen Ostersamstag auf dem Marktplatz und lassen sich weder vom Vorgeplänkel noch von der anstrengenden Arbeit beeindrucken. Worauf Isabella Lang, Sprecherin der Gruppe, Wert legt: „Uns hat niemand dazu verdonnert, hier sauber zu machen.“

Allerdings würde sich die Gruppe Kompromissen nicht verweigern. Die Kritik einiger Stendaler habe man vernommen und nehme man ernst. „Es war kein Problem, die Leute zum Putzen zu mobilisieren“, ergänzt „Fridays for Future“-Mitglied Christopher Harwardt.

Aus Sicht der Klimaschützer wäre es ein Leichtes gewesen, die ganze Sache zu vermeiden. „Wäre es von vornherein eine Auflage gewesen, die Schriften zu entfernen, hätten wir das akzeptiert“, betont Isabella Lang.

Ein klein wenig Trotz hört man dennoch heraus, wenn man sie fragt, ob sie angesichts der Diskussionen in Zukunft auf Aktionen dieser Art verzichten würden. „Ich glaube trotzdem, dass es uns gelungen ist. Wenn wir in Zukunft anders protestieren, dann eher, weil es langweilig wäre, zweimal hintereinander dasselbe zu machen.“ Zumal sie auch positive Rückmeldungen erreicht hätten.

Aber ob das Ergebnis des Arbeitseinsatzes reicht, um die Kritiker zu beruhigen, darf bezweifelt werden. Vom ursprünglichen Zustand ist das Pflaster noch weit entfernt, die Farben sind an einigen Stellen gut sichtbar. Denn wie gesagt: Die Sprühkreide ist offensichtlich ein widerspenstiger Gegner.