Neue Ausstellung im Kulturhistorischen Museum macht das Stadtleben 1945-49 erlebbar

"Magdeburg lebt": Vom Aufbau und grenzenlosen Überlebenswillen

Von Birgit Ahlert 29.09.2011, 04:24

Wie lebt man, wenn man nichts mehr hat? Eine Frage, mit der viele Menschen gerade in der Nachkriegszeit konfrontiert waren. Aus der Not entstand Kreativität. Das zeigt die Ausstellung, die heute um 19 Uhr im Kulturhistorischen Museum eröffnet wird. "Magdeburg lebt!" heißt sie und gibt Einblicke in die Zeit 1945-49.

Altstadt. Schuhe mit Sohle aus Fahrradschlauch, Pullover aus Zuckersäcken, ein Handwagen mit Habseligkeiten, eine Handtasche aus Igelit, Kleider, Frisuren, Gesundheitsinformationen der Nachkriegszeit, politische Anweisungen, sogar ein Stadtplan in kyrillischer Schrift – das alles gehört zu den Ausstellungsstücken, die ab Freitag im Kulturhistorischen Museum zu sehen sind. "Magdeburg lebt!" beleuchtet das Leben in der Stadt nach der großen Zerstörung und den Wiederaufbau.

Beginnend mit dem 16. Januar 1945. Übergroße Plakate machen das Ausmaß deutlich: das zerstörte Magdeburg mit meterhohen Trümmern. Kaum vorstellbar, mit welcher Kraft und welchem Willen die Menschen damals "aufgeräumt" haben. Kuratorin Karin Grünwald zeigt einen Steinklopfer: "Ein Original, mit dem die Trümmerfrauen damals die Steine bearbeitet haben."

450 Exponate von 50 Leihgebern sind auf rund 350 Quadratmetern in der ersten Etage des Museums zu sehen – und zu erleben. Neben Fotos, Dokumenten und Originalartikeln aus der Nachkriegszeit wird es u.a. eine Videopräsentation geben. Die Premiere erfolgt jedoch erst Ende Oktober.

Zweieinhalb Jahre lang wurde die Ausstellung vorbereitet. Bis April 2012 wird sie gezeigt. Sie ist bilingual gestaltet, doch nicht nur englische, auch russische Texte finden sich, informiert Co-Kurator Dr. Wolfgang Winkelmann.

Besonderes für Kinder

Doch wie, so fragten sich die Aussteller, kann man das doch schwere Thema für Kinder verständlich machen? Mit dieser Frage haben sich letztlich Studenten beschäftigt und die Idee vom Ausstellungs-Teddy entwickelt. Erzählt wird die Geschichte eines Teddys, der am 16. Januar 1945 verloren geht und vieles erlebt, bevor er letztlich sein Mädchen wiederfindet. In der Zwischenzeit erlebt er so einiges …

Zudem wurde ein "Notklassenzimmer" nachgestellt, in dem das Museum für Kinder Aktionen bietet. Beispielsweise am 1. Oktober beim "Schultütentag" ab 14 Uhr.

Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr haben freien Eintritt. Das Begleitbuch zur Ausstellung erscheint in der Reihe Magdeburger Museumsschriften für 19,50 Euro.