Lärmschutzwand im Nordabschnitt des Rings wird von Graffiti-Künstlern gestaltet

Magdeburgs neues "Stadttor" wird ab heute zum Kunstwerk

18.06.2011, 04:29

Ab heute werden die neuen Lärmschutzwände am Nordabschnitt des Rings mit Graffiti-Kunstwerken gestaltet. OB Lutz Trümper hatte darum gestern zur Präsentation des Projekts ins Alte Rathaus eingeladen.

Magdeburg. Rund 1000 Farbdosen werden die 13 Graffiti-Künstler an diesem und am kommenden Wochenende an den neuen Lärmschutzwänden am nördlichen Ring leersprühen. Bei gutem Wetter wollen sie von 8 bis 20 Uhr durcharbeiten. Immerhin: Die Künstler müssen rund 300 Quadratmeter Fläche gestalten. "Bei guten Wetter bekommen wir das hin, nur wenn es richtig regnet, müssen wir eine Pause einlegen", sagte gestern Eric Nicolagetz, einer der Sprayer.

Im April hatte der Stadtrat beschlossen, Magdeburgs neues "Stadttor" im Norden, die zwei jeweils rund 850 Meter langen Lärmschutzwände entlang des Rings, mit Graffiti-Bildern gestalten zu lassen. 10000 Euro lässt sich das die Stadt kosten. "Wir würden sogar gern mehr dafür ausgeben, aber zurzeit ist eben nicht genug Geld dafür im Stadthaushalt vorhanden", sage OB Lutz Trümper während der Präsentation des Projekts gestern im Alten Rathaus. Darum könnten auch jeweils nur die Anfangs- und Endstücke der Wand gestaltet werden.

Die Umsetzung der Kunstaktion liegt in den Händen von Ilka Schiffner. Die Sozialarbeiterin betreut im Auftrag der Stadt das Projekt "Graffiti Magdeburg". In diesem Projekt finden sich Graffiti-Sprayer zusammen, die auf legale Weise Flächen gestalten wollen. Dafür schafft Ilka Schiffner die Voraussetzungen, das heißt, sie "sammelt" Flächen, die legal gestaltet werden können, entwickelt Aktionen und Projekte dafür, nimmt Kontakt zu Gebäudeeigentümern auf und kennt auch alle Flächen, für die die Stadt verantwortlich ist und die durchaus eine Verschönerung durch Graffiti vertragen könnten. Ziel des Ganzen ist es, den Sprayern zu zeigen, dass es auch legal in Magdeburg geht.

Aus diesem Grund hat die Stadt die Gestaltung der Lärmschutzwände dem Projekt "Graffiti Magdeburg" zur Umsetzung übertragen. "Wir haben auch gezielt nach Leuten gesucht, die schon oft mit uns zusammengearbeitet haben, da es sich bei der Lärmschutzwand doch schon um ein Projekt handelt, das die Stadt Magdeburg repräsentieren soll", sagte Ilka Schiffner.

Die Stadt hatte den Inhalt der Graffiti-Kunstwerke vorgegeben. Sie müssen "Magdeburg" widerspiegeln. Umgesetzt werden demnach vier Motivkomplexe: die Gruson-Gewächshäuser, der Elbauenpark, Magdeburgs Partnerstädte und Otto von Guericke.

"Wir haben die Graffiti so gestaltet, dass sie den vorbeifahrenden Autofahrer nicht vom Verkehr ablenken", sagte Künstler Tobias Pötke. Autofahrer werden folglich nur Farbflächen vorbeiziehen sehen. Die kompletten Kunstwerke können im Grunde nur die Anlieger der Lärmschutzwände erkennen.

Wichtig sei es auch, die Graffiti-Arbeiten mit großen Schriftzügen zu gestalten. Der Grund: In der Sprayer-Szene ist es verpönt, Graffiti-Kunstwerke oder -Schriftzüge zu übersprühen. Darum könnten die Kunstwerke an der Lärmschutzwand auch ein Schutz vor illegalen Graffiti sein, hofft OB Trümper. "Wir geben jährlich rund 200000 Euro für die Beseitigung von illegalen Graffiti aus. Das Geld könnte man eigentlich auch in legale investieren."

Das sehen die Künstler, die beim Graffiti-Magdeburg-Projekt mitarbeiten, ähnlich. "Graffiti-Kunst ist eine urbane Erscheinungsform, Graffiti gehören in eine Stadt", sagt Christoph Ackermann.

Er und Tobias Pötke haben übrigens während der Pfingsttage an einem Parkplatz am Damaschkeplatz ein Graffiti-Kunstwerk auf ein Gebäude aufgetragen – im Auftrag des Eigentümers.