Mehr als nur "Popowackeln" und tolles Aussehen: Miss Sachsen-Anhalt räumt mit Klischees auf

30.06.2011, 04:37

Es begann alles mit Heidi Klum. Genauer gesagt mit Germany‘s Next Topmodel. Denn die damals 20-jährige Olga Metzger war fasziniert vom TV-Format, in dem man junge Mädchen suchte und ihnen den Weg in die Modelbranche ebnete. Daraufhin bewirbt sich die gebürtige Erfurterin 2007 für einen lokalen Modeshooting-Wettbewerb, damals noch in ihrer Heimatstadt, und wird unter Tausenden Mädchen ausgewählt. Wie der Zufall so spielt, entdeckt die Berliner Direktion der Miss Germany Corporation Aufnahmen von Olga im Internet und ermutigt sie, bei Miss Wahlen teilzunehmen. Nach und nach findet sie Gefallen daran. Während ihres Praktikums an der Frankfurter Börse im Jahr 2009 wird die BWL-Studentin Vize-Miss Frankfurt. 2011 klappte es dann mit dem Titel der Miss Sachsen-Anhalt (Volksstimme berichtete).

Ein bisschen hört sich der Karrierestart der Olga Metzger wie ein Märchen an. "Sicherlich entsteht eine Art Missen-Wahl-Sucht, doch bei mir hängt keine Existenz davon ab", sagt die 24-Jährige gelassen, deren Kindheitstraum eigentlich Sängerin war. "Ich gebe mein Bestes, ich hatte bei Wettbewerben noch nie einen verbissenen Ehrgeiz", fügt sie hinzu.

Doch Lampenfieber herrsche auch bei dem 1,70 Meter großen Model. "Die Anspannung kommt, sobald ich auf die Bühne gehe, geht aber auch wieder, wenn der Auftritt vorbei ist." Trotz der langen blonden Mähne und den stahlblauen Augen ist Olga Metzger alles andere als ein gewöhnliches Model. "Mit meinem mathemathischen Kopf habe ich mir bei der Miss Germany Wahl ausgerechnet, wie hoch meine Chancen sind. Das waren nur 4%, da war ich recht entspannt und wusste, mein Sieg wäre unrealistisch", erklärt sie. Ein Model, das die Wahrscheinlichkeit seines eigenen Sieges ausrechnet – kurios. Außergewöhnlich. Olga eben. Zudem singt sie auch noch in der Band "Meantime".

Doch wie die meisten schönen Frauen kämpft sie gegen Vorurteile. Arrogant, eingebildet, oberflächlich – solche Attribute werden Olga oft zugeschrieben. Wie auch dumm oder kleines Blondchen. "Doch so eine Miss Wahl ist viel mehr als nur mit dem Popo zu wackeln und hübsch auszusehen", verteidigt die Studentin, die gerade ihr Masterstudium an der Otto-von-Guericke Universität in Betriebswirtschaftslehre absolviert. "Jede Miss-Wahl hat mich selbstbewusster gemacht, ich kann mich besser wahrnehmen und bin stetig an der Herausforderung gewachsen", so Olga überzeugt. Doch die meisten Menschen, die sie jetzt kennenlerne, sehen nur ihr Äußeres. "Ich mag nach außen einen recht kühlen, distanzierten Eindruck machen, obwohl ich ein offenherziger Mensch bin. Daher täuschen sich viele in meinem Wesen", sagt sie.

Und wie geht es nun weiter für Miss Sachsen-Anhalt? "Ich plane nächstes Jahr an der Uni zu promovieren und ich hoffe auf den Doktortitel, bevor ich 30 bin. Möglicherweise sehe ich mich als Professorin an der Universität und lehre oder arbeite in der freien Wirtschaft", erzählt sie von ihren Plänen. Das Modeln möchte sie nicht aufgeben, im Moment laufe es ganz gut. Den Spagat zwischen Hörsaal und Laufsteg bekommt sie aber nur durch Organisation und Weitblick hin. Sie kramt in ihrer Handtasche und legt ein unscheinbares kleines Buch auf den Tisch. "Mein Geheimrezept ist mein Organizer", lächelt sie und schlägt den Terminplaner auf. Vorlesungen, Fotoshootings, Auftritte – eine vielbeschäftigte Frau.

"Das Berufliche steht bei mir gerade im Vordergrund, doch ich werde sicherlich nicht nur Karrierefrau sein", so die 24-Jährige über ihren momentanen Lebenplan. Familie und Kinder schließt sie nicht aus, aber halte sie sich für später offen.

Auf die Frage, wo sich Olga Metzger in zehn Jahren sieht, antwortet sie kess: "Als singende und modelnde Professorin an der Uni!" (sä)