Ansturm auf die Behörden hat begonnen / Noch einen Monat bis zur Umweltzone / Halle und Magdeburg haben sich geeinigt

Plakettenpflicht: In 30 Tagen wird im Stadtzentrum auf Grün-Gelb geschaltet

Von Karl-Heinz Kaiser 02.08.2011, 04:34

Noch 30 Tage bis "Ultimo" für Rot: Ab 1. September kommt nur derjenige mit seinem Auto in die City, der die grüne oder die gelbe Plakette an der Windschutzscheibe trägt. Mit der Beschaffung des 5 Euro teuren Aufklebers sollte nicht bis zum letzten Tag gewartet werden, empfiehlt Umweltbeigeordneter Holger Platz.

Altstadt. Ob die Polizei in den ersten drei bis vier Tagen und vielleicht sogar noch etwas länger Kulanz bei fehlender Umweltplakette zeigen wird, wollte Holger Platz nicht definitiv ausschließen. Aber in der Zeit danach gibt er keine Garantie für Nachsicht in irgendeiner Form: 40 Euro und ein Punkt in Flensburg würde das Versäumnis kosten.

Die Plakettenpflicht ab 1. September hat inzwischen einen ersten Ansturm auf die fünf städtischen Bürgerbüros und auf die Kfz-Zulassungsstelle ausgelöst. Wurden bislang je Monat um die 230 Plaketten verkauft, waren es im Juli 533 Stück, sagte Holger Platz. Die deutliche Zunahme hänge auch mit dem Beginn der Haupturlaubszeit zusammen, in erster Linie aber mit der anstehenden Ausweisung der Umweltzone auf dem rund 7 Hektar großen Areal der Innenstadt, versichert der Beigeordnete.

Er empfiehlt auch, nicht unbedingt bis auf den letzten Drücker mit der Anschaffung der Plaketten zu warten. Sein Rat gelte für jene, die ohne irgendwelchen Stress ihren City-Besuch absolvieren wollen

Das betrifft auch die Ausnahmen. Bislang sind bei der Stadt 106 Ausnahmeanträge von Gewerbetreibenden und 27 Anträge von Privatpersonen entgegengenommen worden.

Erwartet wird noch eine ganze Reihe weiterer Anträge. Die zuständige Stelle in der Straßenverkehrsbehörde ist inzwischen um einen Mitarbeiter aufgestockt worden, ein zweiter ist vorgesehen.

In dem Zusammenhang verweist Platz darauf, dass Halle und Magdeburg die Ausnahmeregeln gegenseitig anerkennen. Man habe im zuständigen Landesumweltministerium dazu an einem Tisch gesessen.

Mit dieser Regelung habe man auch einem Wunsch der Wirtschaft entsprochen, hieß es. Schon am 27. Juli hatte ein Ministeriumssprecher angekündigt, dass Unklarheiten zur Rechtslage und zu den Ausnahmen endgültig ausgeräumt worden seien.

In den nächsten Tagen startet das Magdeburger Tiefbauamt das Aufstellen der Schilder für die Umweltzone. Das geschieht an 46 Zufahrten der City, wo sowohl Beginn als auch Ende der Zone gekennzeichnet werden. Die Grenzen der Umweltzone: Albert-Vater-Straße (B1) und Walther-Rathenau-Straße im Norden, im Osten das Schleinufer und die Steubenallee, im Süden die Erich-Weinert-Straße und die Straße Am Fuchsberg, im Westen der Europa-, West- und Südring. Der Magdeburger Ring bleibt ausgenommen.

Rund 80000 Euro wird allein die Beschilderung kosten, die komplette Einrichtung der noch immer umstrittenen Umweltzone 180000 Euro. Ziel ist, u. a. die Stickstoffoxidbelastung auf die von der EU geforderte Norm von unter 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (derzeit 46 Mikrogramm in der Reuterallee) zu bringen. Der Feinstaubausstoß soll reduziert werden.

Autos mit zu hohem Schadstoffausstoß (etwa 5 Prozent des Bestandes) haben ab 1. September in der Innenstadt Fahrverbot. In einer Übergangsphase jedoch kann bis 31. Dezember 2012 außer mit der grünen auch noch mit der gelben Plakette eingefahren werden.

Wer nur die rote oder gar keine Plakette erreicht, muss die Straßenbahn oder das Fahrrad nutzen.

Ab 1. Januar 2013 ist ausschließlich Grün das "Sesam-öffne-Dich" für Autos, die in die City wollen.

Für alle anderen herrscht dann Fahrverbot.