Serie Magdeburger Straßennamen, Folge 910

Rückkehr der Leinweber 2000 nach Brückfeld

22.06.2011, 04:30

In einer Serie beleuchtet die Volksstimme die Straßennamen der Elbestadt. Heute: Die Leineweberstraße, die es nach Angaben des Stadtarchivs seit dem Jahr 2000 gibt. Die Hintergründe zur Benennung der Straße können nur vermutet werden.

Brückfeld (jja). Die Straße wurde dem statistischen Bezirk "Gübser Weg" zugeteilt und befindet sich zwischen Gübser Weg und Paul-Ecke-Straße. Die Postleitzahl ist 39114.

In Anlehnung an die benachbarte Mälzerstraße könnte hier ein alter Handwerksberuf Pate für den Straßennamen gestanden haben, der im Mittelalter in Deutschland sehr verbreitet war.

Leineweber oder Leinweber ist die historische Berufsbezeichnung für Weber, die auf Handwebstühlen in Leinwandbindung Gewebe herstellten. Dieses bestand ganz oder zum größten Teil aus Leinengarn, das aus getrockneten Flachsfasern (Bast) gesponnen wurde. Im Mittelalter war Leinwand ein geschätztes Gewebe, aus dem neben Kleidung und Bettzeug auch Uniformen hergestellt wurden.

Leineweber verarbeiteten das Material ihrer Kundschaft. Der Stand der städtischen Leineweber war schwierig, denn das Handwerk galt als nicht zunftfähig. Konnten die Leineweber trotzdem eine Zunftvereinigung durchsetzen, gab es stets Probleme mit den Tuchmachern. Die Leineweber galten als "unehrlich" und wurden in eine Reihe mit Totengräbern, Scharfrichtern, Nachtwächtern, Schäfern oder Schaustellern gestellt. Hintergründe für die "Unehrlichkeit" dieser Berufsgruppen waren u. a. erfundene Geschichten der Bevölkerung, die offenbar auf Streit, Neid oder Vermutungen basierten.

Diese Ächtung brachte viele Nachteile: die Familien mussten z.B. in bestimmten Stadtbezirken wohnen und ein Leinwebersohn durfte keinen "zünftigen" Beruf erlernen. Ließ ein Tuchmacher einen Leinweberknecht für sich arbeiten, erwarteten ihn Sanktionen von seiner Zunft. Für die Leineweber gab es deshalb kaum Möglichkeiten zum Ausbruch aus ihrem Lebenskreis, so dass sie zur armen Bevölkerungsschicht zählten. Heute ist nicht mehr nachprüfbar, worauf der schlechte Leumund tatsächlich basierte.

Anders sah es in den Dorfregionen aus, wo die Leineweberei häufig eine größere Bedeutung hatte. Die dörflichen Handwerker stellten im Wesentlichen jene Leinenstoffe her, die von den Bauern nicht selbst gewebt werden konnten.

Zu Beginn des 16. Jahrhundert stiegen die Leineweber zur Gilde auf; das Gewerbe wurde nun für den Export von Waren wichtig.

Der Beruf des Leinewebers verlor gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung, da im Zeitalter der Industrialisierung zunehmend Maschinen die Arbeit der Handwerker übernahmen.

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(Quellen: Stadtarchiv, Internet: www.auswanderermuseum.de, www.altstadt-dinslaken.de, www.holzkirchner.de, www.wikipedia.org)