Pandemie

Termin-Chaos im Magdeburger Impfzentrum droht

Die neuen Regeln für die Vergabe des Astrazeneca-Wirkstoffs wirbeln den Impfkalender der Stadt Magdeburg kräftig durcheinander. Es droht eine Flut von Absagen und Umbuchungen.

31.03.2021, 00:00
ARCHIV - 20.03.2021, Sachsen, Dresden: Ein Mitarbeiter im Impfzentrum in der Messe Dresden hält ein Fläschchen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gegen Corona in seiner Hand.(zu dpa: "Der «Oxford-Impfstoff»: Astrazeneca-Mittel als nationale Wunderwaffe") Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 20.03.2021, Sachsen, Dresden: Ein Mitarbeiter im Impfzentrum in der Messe Dresden hält ein Fläschchen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gegen Corona in seiner Hand.(zu dpa: "Der «Oxford-Impfstoff»: Astrazeneca-Mittel als nationale Wunderwaffe") Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ ZB

Magdeburg

Am Mittwoch (31. März 2021) läuft am Impfzentrum in der Messehalle 3 am Elbauenpark in Magdeburg noch alles wie am Schnürchen. Magdeburger mit Impftermin und dem schriftlichen Nachweis dafür werden am Eingang der Halle freundlich von Sicherheitsmitarbeitern begrüßt. Nach einer ersten Kontrolle der Berechtigung werden die meisten von ihnen zur nächsten Station in der Messehalle gebeten. Rund 30 Minuten später verlassen sie dann gegen Corona geimpft und glücklich den Bereich. So weit so gut.

Buchungen laufen

Allerdings könnte sich dieses harmonische Bild in den nächsten Tagen ändern. Auslöser ist das Wirrwarr um die Vergabe des Astrazeneca-Wirkstoffs. Nachdem die Bundesregierung mit den Länderchefs die Abgabe am 30. März 2021 nur noch an über 60-Jährige empfohlen hatte, wird sich das Magdeburger Impfzentrum auch genau an diese Vorgabe halten, erklärte Impfzentrum-Leiterin Simone Borris. Zusätzlich wies das Land Sachsen-Anhalt gestern an, nur über 60-Jährige aus den Prioritätsgruppen 1 und 2 zu impfen.

Das bedeutet in der Praxis: Da nicht klar ist, wie sich die Magdeburger nun verhalten, könnte ein neuerliches Terminchaos drohen. Ursache: Mehrere Hundert Magdeburger hatten ihren Astra-Termin bereits am 30. März 2021 noch vor der neuen offiziellen Bewertung durch die Bundesregierung gebucht. Unklar ist nun, ob sie ihren Termin trotzdem wahrnehmen wollen, sofern sie überhaupt noch berechtigt sind.

Lage schwer einschätzbar

Das Impfzentrum steht damit vor einer schwer einzuschätzenden Situation. Zudem kommt: Termine im digitalen Impfkalender können nicht von den Magdeburgern selbst gestrichen werden. Für diesen Vorgang ist eine E-Mail notwendig. Diese Absage wird dann per Hand im Amt eingepflegt und der Termin wieder freigegeben. Da aber nicht klar ist, ob jeder, der absagt, auch diesen Weg wählt, dürfte eine unbekannte Zahl von Terminen ungenutzt bleiben.

Eine weitere Variante ist möglich: So mancher unter 60-Jährige mit Termin wird sich trotzdem impfen lassen wollen – was aber im Impfzentrum nicht mehr möglich sein wird. „Wir können das notwendige umfangreiche Aufklärungsgespräch für Astrazeneca-Interessenten hier vor Ort einfach nicht leisten“, begründet Matthias Boxhorn vom Impfzentrum. Obendrauf hatte das Land die Impfung unter 60-Jähriger ohnehin untersagt. Ob das jeder Impfwillige rechtzeitig oder erst am Einlass am Impfzentrum erfährt, ist auch so ein Unsicherheitsfaktor.

Astrazeneca als Auslaufmodell

Der Wirkstoff Astrazeneca ist im Impfzentrums ohnehin ein Auslaufmodell. Ab Mitte April 2021 wird in der Messehalle am Herrenkrug dieser Wirkstoff nur noch als Zweitimpfung verabreicht. Ansonsten kommt dort ausschließlich Moderna, Biontech oder ein dann inzwischen weiterer zugelassener mRNA-Impfstoff zum Einsatz. Astrazeneca soll dann nur noch über Hausärzte verabreicht werden erklärte, Simone Borris weiter. 830 Astra-Dosen sollten noch vor Ostern 2021 verimpft werden. Weitere 4.700 Dosen sollen am Ostersonnabend eintreffen. In diesem Zusammenhang verteidigte Borris erneut die Osterruhe im Impfzentrum: Da die 4.700 Dosen erst am Sonnabend einträfen, lohne sich ein Einsatz über Ostern nicht. Die Kollegen des Impfzentrums benötigten außerdem eine Auszeit. Ersatzpersonal sei nicht einfach bereitzustellen, weil eine bestimmte Qualifikation gefragt sei.