Strom

Trasse rückt näher an Hundisburg

Bis spätestens 2025 soll eine neue Stromtrasse vom Umspannwerk Wolmirstedt über Helmstedt bis zum Umspannwerk Wahle gebaut werden. Die favorisierte Trassenführung wird dabei auch Hundisburg tangieren.

24.03.2021, 00:00

Hundisburg

Von Jens Kusian

Zwischen den Umspannwerken Wolmirstedt und Wahle (Niedersachsen) soll eine knapp 225 Kilometer lange neue Stromtrasse gebaut werden. Ein Vorhaben, das Hundisburgs Ortsbürgermeister Nico Schmidt (CDU) mit Besorgnis beobachtet.

Seit Ende der 1980-er Jahre ist eine 380-kV-Hochspannungsleitung in unmittelbarer Nähe von Hundisburg in Betrieb. „Gegen deren Bau waren damals keine Einwände möglich“, weiß der Ortsbürgermeister. Doch eine weitere Stromtrasse, die noch dichter an Hundisburg heranrücken soll, möchte er nicht haben. „Das würde die bestehende negative Beeinflussung von Mensch und Natur nur noch potenzieren“, ist er überzeugt.

Die bundesweit agierende 50Hertz Transmission GmbH mit Sitz in Berlin plant den Bau der 380-Kilovolt-Freileitung zwischen Wolmirstedt und der Landesgrenze zu Niedersachsen bei Helmstedt. „Die Leitung soll im Rahmen des Ausbaus und der Ertüchtigung des Stromübertragungsnetzes im Norden und Osten Deutschlands entstehen. Sie ergänzt die dort bereits vorhandene 380-kV-Drehstromfreileitung“, heißt es dazu auf der Internetseite des Unternehmens.

Darüber hinaus soll die bestehende Trasse in ihrer Stromtragfähigkeit von derzeit 2520 auf 3600 Ampere erhöht werden. „Dies ist notwendig, da die Leitung den im Zuge der Energiewende veränderten Stromflüssen nicht mehr gewachsen ist. Beide Leitungen stärken die elektrischen Verbindungen in der Mitte Deutschlands“, begründet das Unternehmen seine Vorhaben.

Ortsbürgermeister ist besorgt

Doch Nico Schmidt und der Hundisburger Ortschaftsrat stehen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. „Hundisburg ist aufgrund seiner barocken Schlossanlage und der damit einhergehenden Kultur- und Parklandschaft ein Naherholungsgebiet und Aushängeschild“, argumentieren sie in einer Stellungnahme, die sie zum Ausbauprojekt an die Bundesnetzagentur geschickt haben. Die jetzige Leitung überspanne zudem das FFH-Gebiet Beber- und Olbetal mit den dort vorkommenden Beständen von Rotmilan, Störchen und Wachtelkönig. „Und die neue Trasse rückt laut Planung verdammt nah an Hundisburg heran“, so Schmidt weiter. Erschwerend kommt hinzu, dass es keinen vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen Hochspannungsleitung und Bebauung gibt.

„Die Priorisierung der Trassenführung ist zu hinterfragen, und es sollte ein besonderes Augenmerk auf die Vermeidung von Auswirkungen auf den Menschen gelegt werden“, fordert er. „Daher ist eine Trassenführung zu wählen, die am wenigsten Menschen in ihrer Lebensqualität, ihrer Gesundheit und bei der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit einschränkt.“

Die Nachbargemeinde Hohe Börde sieht es ähnlich. Auch sie lehnt die favorisierte Trassenführung ab, weil sie unter anderem zu dicht an Bebertal herankommt. Auch die beiden Alternativvarianten – eine entlang der Autobahn 2 und eine etwas südlich davon – seien für die Hohe Börde inakzeptabel, wie sie in ihrer Stellungnahme an die Bundesnetzagentur deutlich macht.

Doch bei der Ablehnung belässt es die Hohe Börde nicht. Sie hat auch einen eigenen Vorschlag zur Trassenführung ins Rennen gebracht: noch südlicher parallel zur Eisenbahnstrecke Magdeburg-Braunschweig.

Aktuell befindet das Vorhaben in der Bundesfachplanung. Die dafür vorgeschriebene Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung sowie der dazu gehörende Erörterungstermin stehen dabei noch aus. Deshalb hat die Stadtverwaltung Haldensleben auch noch keine Stellungnahme dazu abgegeben. „Das werden wir zum gegebenen Zeitpunkt aber tun – in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat von Hundisburg“, sichert Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann zu.