Augen auf bei der Berufswahl

Vor Ausbildungsbeginn gesundheitliche Risiken checken

28.06.2011, 13:30

Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriemechaniker und Elektroniker sind die Top Drei der Ausbildungsberufe bei Jungen. Mädchen werden am häufigsten Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Medizinische Fachangestellte. Mit dem Beginn der Berufsausbildung fängt für Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt an. Und dieser will gut überlegt sein. Geht es doch bei der Berufswahl nicht nur um Interessen und Fähigkeiten. Auch die gesundheitlichen Voraussetzungen sollten stimmen.

Jährlich brechen in Deutschland etwa 30.000 Auszubildende ihre Ausbildung aufgrund gesundheitlicher Probleme ab. Nach dem DAK-Gesundheitsreport 2011 fühlen sich sieben Prozent der Berufsanfänger ihrem Job körperlich nicht gewachsen. "Gerade Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, beispielsweise Asthma und Allergien, sollten sich vor ihrer Berufswahl genau informieren", sagt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Weichen richtig stellen Wer Zweifel hat, ob er für einen Beruf gesundheitlich geeignet ist, der berät sich vor der Wunschausbildung am besten mit seinem Arzt. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die sogenannte Jugendschutzuntersuchung vorgeschrieben. Dabei sollen gesundheitliche Bedenken gegen die angestrebte Ausbildung ausgeschlossen werden. Bei Berufen mit engem Kontakt zu Menschen ist auch der Impfstatus wichtig. "Wer frühzeitig die Weichen richtig stellt", sagt Thomas, "kann sich große Enttäuschungen ersparen."
Der Traum vom Wunschberuf muss nicht platzen.
"Wichtig ist aber, das Gesundheitsrisiko richtig einzuschätzen, sich über mögliche Belastungen zu informieren und davor zu schützen." Auch ein Praktikum kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Handwerk Friseure hantieren mit Haarfarben und Bleichmitteln, Maler arbeiten mit Lacken und Lösungsmitteln, Bäcker atmen Mehlstaub ein und Gärtner pollengeschwängerte Luft. In vielen Handwerksberufen kommen die Beschäftigten täglich mit Substanzen in Kontakt, die Allergien und Asthma auslösen oder verstärken können. Hauterkrankungen, wie Kontaktekzeme, sind die häufigsten Berufskrankheiten. Schutzhandschuhe verringern das Risiko von Hautreaktionen. Rat kann beispielsweise ein Allergologe oder Lungenfacharzt geben. Gesundheitswesen Schon die Azubis haben es im Kreuz: Nach einer Studie der Universität Bremen leidet gut die Hälfte der Pflegeschüler unter Rückenschmerzen. Fast jeder Zweite klagt über Kopf- oder Magenschmerzen oder Schlafstörungen. Zudem können Latex und Reinigungsmittel Allergien hervorrufen. Auch der Schichtdienst fordert seinen Tribut, und die Burn-out-Gefahr ist in Pflegeberufen hoch. Körperliche und mentale Fitness durch Sport, ausgewogene Ernährung und ein stabiles soziales Umfeld kann die besonderen Belastungen im Gesundheits- und Pflegebereich abfedern.

Büroberufe Mittlerweile sitzt fast jeder zweite Beschäftigte hierzulande im Büro, meistens am Computer. Das hat seinen Preis: Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich sind nach den aktuellen Ergebnissen des DAK-Gesundheitsreports 2011 gerade bei jungen Arbeitnehmern die häufigsten Beschwerden. Bei langer Bildschirmtätigkeit können auch die Augen brennen, tränen oder schmerzen – sie sollten regelmäßig untersucht werden. Viele Bürojobs sind außerdem mit hohen mentalen Anforderungen verbunden und können zu Kopfschmerzen und Nervosität führen. Umso wichtiger ist ein körperlicher und seelischer Ausgleich durch Sport und Entspannung in der Freizeit. Am Arbeitsplatz lässt sich mit Dehnungsübungen und Augengymnastik Beschwerden vorbeugen.

Bau- und Industrieproduktion Es wummert, dröhnt und kracht – auf Baustellen und in Werkshallen herrscht mitunter ohrenbetäubender Lärm. Lärmschwerhörigkeit ist die zweithäufigste Berufserkrankung. Und nicht nur das: Dauerhafter Krach erhöht den Stresshormonspiegel sowie das Herzinfarktrisiko und führt häufiger zu Erkrankungen des Verdauungssystems. Auch das Unfallrisiko steigt, weil Signale oder Warnrufe überhört werden, oder die Konzentration nachlässt. Und der
körperliche Einsatz ist trotz modernster Technik meist kein Pappenstiel.
Vor allem einseitige Bewegungen sowie das Heben schwerer Gegenstände belasten Muskeln, Knochen und Gelenke. Lärmschutz und Gesundheitsförderung sollten in diesen Branchen besonders ernst genommen werden. Handel und Gastronomie Unregelmäßige Arbeitszeiten
und Schichtdienst bringen immer wieder die innere Uhr samt Hormonhaushalt durcheinander. Dauerhaft wird dadurch der Stresspegel erhöht, und die Gefahr von Verdauungsproblemen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen wächst. Viele Beschäftigte leiden unter ständiger Müdigkeit.
Umso wichtiger ist es, Körper und Seele möglichst im Gleichgewicht zu halten. Das heißt: regelmäßig essen, sich in der Freizeit viel an der frischen Luft bewegen und – so gut es geht – auf ausreichend Schlaf achten.