Die Volksstimme machte den Test:

Wie "grün" fährt Magdeburg am ersten Tag der Umweltzone?

Von Rainer Schweingel und Karl-Heinz Kaiser 02.09.2011, 04:31

Tag 1 der Umweltzone – und die Volksstimme macht den Test. Wie viele Autos sind in der Innenstadt mit grüner oder gelber Plakette unterwegs? Und sind politisch Grüne und Spitzenbeamte der Stadt Vorbild und demzufolge mit Umweltplakette am eigenen Auto auf Tour? Die Volksstimme sah gestern Vormittag auf zwei großen Parkplätzen und einem kleineren genau hin.

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Parkplatz hinter Karstadt.

Die Stellfläche ist in der Innenstadt die größte und meistbesuchte unter freiem Himmel. Hier parkt, wer schnell in die Innenstadt muss. Gestern Morgen ist das so wie an vielen anderen Tagen auch. Die Betonfläche ist etwas mehr als zur Hälfte gefüllt. Der Test der Volksstimme ergibt: Viele, aber noch längst nicht alle Fahrzeuge sind mit der vorgeschriebenen grünen oder gelben Plakette sichtbar ausgerüstet.

Von 100 überprüften Fahrzeugen stehen 14 gänzlich ohne Plakette auf dem Parkplatz. Auffällig dabei: Nur vier der "Sünder" sind Magdeburger. 10 Fahrzeuge sind in anderen Landkreisen zugelassen, etwa im Bördekreis (BK), Wolmirstedt (WMS) oder Nordvorpommern (NVP). Der Rest trägt "Grün". Ein gelber Umweltzonen-Aufkleber findet sich unter 100 Autos nur einmal – an einem Auto aus dem bayrischen Fürstenfeldbruck (FFB) verrät das Nummernschild.

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Der Parkplatz Bahnhof-/Hasselbachstraße. Auf dem einstigen Busbahnhof sorgen Stadt und ein Privatmann für die Bewirtschaftung der Parkflächen. 100 Autos in den ersten acht Reihen werden unter die Lupe genommen.

Ergebnis auf der Strichliste: 13 von denen, die gerade dort stehen, haben keine Plakette. Drei der Autos davon sind mit fremden Kennzeichen versehen: BÖ, SLK, WI. Der Rest trägt das hiesige Nummernschild. Das "MD" ist auch auf den etwas älteren zwei Pkw, die nur die gelbe Plakette an der Frontscheibe haben. Aber die wird ja noch bis 31. Dezember 2012 anerkannt, alles rechtens also.

Ein Fahrzeug hat weder Plakette noch eine Ausnahmegenehmigung an der Frontscheibe. Es ist offenbar ein Firmenfahrzeug, gleichfalls aus Magdeburg.

Stichprobe auch auf dem öffentlichen Parkplatz der Bahn AG hinter dem Inter-City-Hotel. Von genau 28 Fahrzeugen waren drei ohne grüne oder gelbe Plakette, zwei mit Kennzeichen MD, eines mit SLK.

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Prominente: Entspannt begegnet Oberbürgermeister Lutz Trümper dem Volksstimme-Test. Als der Reporter den OB vorm Rathaus abfängt, kann Trümper den grünen Aufkleber vorweisen. Sein Dienstwagen, ein BMW, trägt die Umweltplakette. Nicht erst seit gestern, so Trümper, sondern schon seit etwa einem halben Jahr.

Auch Grünen-Kreisvorsitzender Olaf Meister wartet gespannt auf den Besuch des Volksstimme-Reporters gestern. Telefonisch hatte sich die Volksstimme angekündigt, ohne zu verraten, worum es gehen würde.

Aber auch Meister muss sich keine Blöße geben. Sein VW Touran ist mit der grünen Plakette ausgestattet. Meister: "Ich habe sie schon länger am Auto, weil es in anderen Städten Umweltzonen schon viel länger gibt."

Sachsen-Anhalts NABU-Geschäftsführerin, Annette Leipelt, präsentierte gleichfalls ohne zu zögern ihr Auto. "Natürlich mit grüner Plakette", sagt sie und führt den Reporter zur Parktasche vor dem Bürohaus am Schleinufer – "bitte sehr".

Im Juni schon habe sie sich die besorgt. Rechtzeitig, um nicht durch irgendeinen Zufall den Termin vielleicht noch zu verpassen. Die Naturschützerin nutzt ihr Auto für schnelle Termine innerhalb der Stadt.

Fahrten in andere Städte – nur mit dem Zug. Annette Leipelt: Der Naturschutzbund ist ja für die Umweltzone, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und man müsse sehen, was es bringt. Weniger gut findet auch sie, dass die Belastungen der Kommune aufgebürdet werden.

Fazit

Wenig Plakettenverweigerung: Die Umweltzonen sind nach wie vor republikweit in kontroverser Diskussion. Der ADAC ist heftiger Gegner, in Leipzig melden sich Zweifler, weil nach einem halben Jahr die Luftwerte nicht besser wurden.

Die Magdeburger indes zeigen sich davon offenbar unberührt. Immerhin: Unter 230 inspizierten Autos insgesamt 30 ohne Plakette.

Für den ersten Tag ist das ein durchaus akzeptables Ergebnis. Wenngleich es noch nicht das von den "Umweltzonen-Architekten" Gewünschte ist. Nur wenn sich alle beteiligen, lassen die Messergebnisse objektive Wertungen über die Wirksamkeit dieser bei vielen unbeliebten Maßnahme zu.

Allerdings hat die Polizei angesichts der unterschiedlichen Gesamtstimmung zu den Umweltzonen noch Kulanz angekündigt. In den ersten vier Wochen soll es so nicht gleich Bußgeldzettel hageln – statt 40 Euro bei Verstoß gegen die Plakettenpflicht zu kassieren, werden vorerst mündliche Verwarnungen verteilt. Und die Politessen stellen Knöllchen weiterhin nur fürs Falschparken aus, ließ die Stadt wissen.

Nach Ablauf dieser vier Wochen Übergangszeit soll es aber kein Pardon mehr geben. Bei der Höhe des Bußgeldes (das Achtfache der Ausgabe für eine Plakette) dürfte die Zahl der Plakettensünder weiter dramatisch zurückgehen.

Tipps

- Plaketten gibt es in allen Bürgerbüros unter Vorlage des Fahrzeugscheins.

- Die Kosten liegen bei 5 Euro plus 30 Cent für ein amtliches Siegel.

- Plaketten gibt es aber auch bei Dekra, TÜV und in Kfz-Werkstätten.

- Ausnahmeanträge sind weiterhin jederzeit möglich, Ansprechpartner: Stadtverwaltung Magdeburg, Tel. 115.

- Magdeburger Ring, Maybachstraße, Schleinufer, B1 und weitere Straßen gehören nicht zur Umweltzone.