"Wie Schränkerücken": Zeugen sagen im Doppelmord-Prozess aus

10.05.2013, 02:21

Magdeburg - Mit Hilfe weiterer Zeugen hat das Landgericht Magdeburg am Freitag versucht, mehr Licht ins Dunkel des Familiendramas von Quedlinburg zu bringen. Ein 25 Jahre alter Mann ist wegen Doppelmordes und versuchten Mordes angeklagt. Er soll seinen Vater (72) am Abend des 14. Dezember 2012 erschossen, seine Stiefmutter (60) erschlagen und seinen Halbbruder (40) durch Schüsse schwer verletzt haben. Laut Anklage handelte der Mann heimtückisch und aus niederen Beweggründen.

Eine Nachbarin berichtete der Kammer um den Vorsitzenden Richter Dirk Sternberg von merkwürdigen Geräuschen am Abend der Tat. Die 34-Jährige sagte, sie habe in ihrer Wohnung gesessen und Weihnachtskarten geschrieben. "Dann hörte ich Krach aus dem direkt angrenzenden Nachbarhaus", erinnerte sie sich. "Es hörte sich wie Schränkerücken an und als ob jemand mit einem Eispickel zugange wäre." Es habe auch Klopfgeräusche gegeben. Stimmen oder gar Schüsse hat die Frau nach eigener Aussage aber nicht direkt wahrgenommen.

Am ersten Verhandlungstag am Dienstag hatte der 25-Jährige nur Angaben zur Person gemacht. Sein Verteidiger hatte angekündigt, dass er sich später zum Anklagevorwurf äußern werde, aber auch am zweiten Prozesstag hüllte sich der schmächtige Angeklagte in Schweigen. Er sitzt mit Fußfesseln auf der Anklagebank. Oberstaatsanwältin Eva Vogel wirft dem Mann in ihrer Anklageschrift vor, während eines Kartenspiels im Haus seines Vaters plötzlich mit einer kleinkalibrigen Pistole geschossen zu haben. Dabei soll er erst seinen Halbbruder getroffen haben, der schwer verletzt flüchten konnte. Dann soll er auf seinen Vater geschossen haben, der im Hausflur starb. Seine Stiefmutter erschlug er laut Anklage mit einer Taschenlampe.

Der Notarzt, der nach dem Familiendrama am Tatort war, kümmerte sich nach eigener Aussage erst um den blutüberströmten, verwirrten Verletzten. "Er sagte mir, was passiert war", so der Mediziner. "Dann fand ich in seiner Strickjacke ein kleinkalibriges Projektil. Ich vermute, dass es nach dem Durchschuss des Unterarms dort irgendwie hängengeblieben ist." Später habe er noch den Tod des 72-Jährigen festgestellt. "Niemand wusste, was da los war und ob der Täter vielleicht noch im Haus ist", erinnerte er sich an seinen Einsatz.

Ein zentrales Thema war erneut die prekäre Familiensituation rund um die Tat. Fest steht, dass die leibliche Mutter des Angeklagten die Stieftochter des Toten ist. Wahrscheinlich habe der Getötete sie vergewaltigt. Der Angeklagte habe wohl fünf Geschwister und mehrere Halbgeschwister. "Es war für uns als Ermittler kompliziert, weil wir erst alle Verwandtschaftsgrade in der Familie klären mussten", sagte ein Polizist. Eine ehemalige Mieterin aus dem Haus berichtete von regelmäßigen Schlägen und Ausrastern. Auch sie habe sich, während sie dort wohnte, gegen sexuelle Übergriffe des Rentners wehren müssen.

Das Gericht hat zunächst Verhandlungstage bis zum 28. Mai angesetzt. Der Prozess geht an diesem Dienstag (14. Mai) weiter.