Magdeburg vor der ersten Kinderkonferenz / Kinderbeauftragte Katrin Thäger:

"Wir müssen noch viel tun, damit Kinder dazugehören"

07.06.2011, 09:02

Am Donnerstag sind die jüngsten Elbestädter erstmals zu einer "Kinderkonferenz" ins Rathaus eingeladen. Rainer Schweingel fragte bei Magdeburgs Kinderbeauftragten Katrin Thäger nach:

Volksstimme: Was steckt hinter der "Kinderkonferenz"?
Katrin Thäger: Die Kinderkonferenz geht auf einen Ratsbeschluss
vor knapp zwei Jahren zurück. Ziel ist, die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten stärker an der Stadtpolitik zu beteiligen.

Volksstimme: Was genau passiert am Donnerstag? Schwer
vorstellbar, dass dort Kinder im Rathaus am Tisch sitzen
und diskutieren ...

Katrin Thäger: ... genauso ist es nicht geplant. Die Kinderkonferenz
ist ein mehrstufi ges Projekt. Dazu gehörte bisher schon die Kinderrallye im Rathaus, die große Resonanz gefunden hatte. Die Kinder und ihre Einrichtungen, die im Januar das Rathaus erkundet hatten, haben sich im Nachgang mit Projekten zu Kinderthemen
beschäftigt. Die Ergebnisse werden am Donnerstag im Rathaus
präsentiert – nicht in einer Diskussionsrunde, sondern mit einer Art Aktionsmesse, bei denen Kinder Themen darstellen, die ihnen unter den Nägeln brennen ...

Volksstimme: ... zum Beispiel?
Katrin Thäger: Die Kita Nordwest stellt Pläne für eine neues
Spielgelände vor. Die Kita "Bummi" plant einen "Garten der Generationen" im Kannenstieg und der Kinderkasten zeigt Visionen für die "Spielestadt Magdeburg 2020" vor.
Das alles geschieht in kindgerechter, lockerer Form an
Thementischen. Neben dem OB haben einige Stadträte ihr
Kommen zugesagt, und wir hoffen natürlich, dass einige
der Ideen auch in die Politik einfließen.

Volksstimme: Ein Aktionstag ist schnell vergessen. Was kann
von den Ideen wirklich bleiben?

Katrin Thäger: Das werden wir sehen. Da die Kinderkonferenz ein Beschluss des Rates war, gehen wir davon aus, dass auch Interesse an der Umsetzung der Ergebnisse dieser Konferenz besteht. Es handelt sich ja um mehr als einen bloßen Projekttag. Die Ergebnisse und Wünsche werden aufgearbeitet und beispielweise dem Jugendhilfeausschuss zur Verfügung gestellt.

Volksstimme: Mal weg von der Kinderkonferenz. Wie bewerten
Sie die Kinderfreundlichkeit Magdeburgs?

Katrin Thäger: Magdeburg hat viel für Kinder zu bieten.
Einen Ausschnitt konnte man jüngst erst beim Kindertag erleben.
Ich nenne nur mal das Projekt "Spielplatzpaten", um das uns viele andere Städte schon beneiden. Das ist nur ein Beispiel für ehrenamtliches Engagement für Kinder in dieser Stadt, von dem es noch viel mehr gibt. Positiv ist auch, dass inzwischen fast alle Schulen
und viele Spielplätze saniert oder neugebaut sind und dass über die Sportförderrichtlinie Kinder aus sozialschwachen Familien bei Vereinsmitgliedschaften besonders gefördert werden. Magdeburg kann sich für seine Kinderfreundlichkeit sehen lassen.

Volksstimme: Also alles in Ordnung mit Kinderfreundlichkeit?
Gibt es wirklich nichts mehr zu tun?

Katrin Thäger: Doch, es ist aber schon viel passiert. Kinderfreundlichkeit ist nicht nur eine Frage der Arbeit der Verwaltung, sondern sie geht uns alle an. Deshalb müssen wir noch viel tun, damit Kinder zum Alltag ganz normal dazugehören. Das trifft auch für sogenannten Kinderlärm zu. Kinder gehören nicht an den Rand geschoben, sondern sind ein ganz normaler Teil unter uns, auch wenn es mal ein wenig lauter ist. In der Schenkendorfstraße, wo sich ein
Spielplatz und ein Altenheim in Nachbarschaft befinden, ist uns das ganz praktisch auch schon gelungen.

Volksstimme: Sie als Kinderbeauftragte direkt gefragt:
Verfügen Sie über ausreichend Werkzeuge, um Kinderbelange
in Verwaltung und Kommunalpolitik durchzusetzen?

Katrin Thäger: Ja, es gibt in Magdeburg die Kinderfreundlichkeitsprüfung innerhalb der Verwaltung. Projekte, die Kinderbelange berühren, müssen mir vorgelegt werden. Außerdem
leite ich die AG "Spielraum Stadt", in der mir Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern und Fachbereichen beratend zur Seite stehen.
Darüber hinaus kann ich von meinem Rede- und Mitspracherecht
bei Kinderthemen Gebrauch machen.