Eine Chronik des Stapler-Cups

Seit 2005 werden die deutschen Meister des Staplerfahrens gekrönt. Der erste Wettbewerb fand noch in Hannover statt, im Folgejahr wechselte die Veranstaltung auf das Schlossgelände in Aschaffenburg und blieb fortan dort.

Über die Jahre kamen verschiedene Kategorien dazu: 2007 begann die „International Championship“, bei der Teams verschiedener Länder gegeneinander antraten. Im Jahr 2014 wurde sie in Einzel- und Teamvarianten aufgeteilt, was in diesem Jahr zum zweiten Mal passiert. 2008 folgte die „Firmen-Team-Meisterschaft“ für Unternehmen. Die derzeit jüngste Kategorie ist die „Deutsche Meisterschaft der Staplerfahrerinnen“, die 2015 eingeführt wurde – an der Meisterschaft im Staplerfahren können jedoch weiterhin Männer und Frauen teilnehmen. In den ersten drei Jahren ging der Titel an Stefanie Schuster, die schon 2006 als erste Frau zum Stapler-Cup antrat.

Die meisten Gewinner des vergangenen Jahres bekamen ihre ersten Meistertitel. Sie gingen an Thomas Kirsten (Deutscher Meister), Anna-Lena Wisser (Deutsche Meisterin) und SMP (Firmen). Die Weltmeisterschaft ging zum achten Mal an das deutsche Team.

Stendal/Aschaffenburg l Zweimal wurde sie schon Regionalmeisterin, nun hat sich Janine Wintermann auch für den Landesvergleich qualifiziert. Heute fährt die Bismarkerin zum Aschaffenburger Schlossplatz, um dort am Wochenende beim Finale des Stapler-Cups anzutreten. Denn den ersten Platz beim Wettstreit in Hermsdorf erreichte sie mit einem Ergebnis, das sie zusätzlich zu einer der zwölf besten Fahrerinnen Deutschlands beförderte.

Durch 25 Regionalmeisterschaften, verteilt über den ganzen Sommer, wurde die 75-köpfige Spitze aus 2000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen in verschiedenen Kategorien ermittelt.

 Die Gewinner messen sich dieses Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft, gleichzeitig wird auch die Weltmeisterschaft abgehalten – insgesamt treten über 200 Akteure an. Wintermann wird am morgigen Sonnabend um den Titel der besten deutschen Staplerfahrerin kämpfen.

Bilder

Die Maschinen verlangen Feingefühl

Der Stapler-Cup stellt seit 2005 wichtige Fähigkeiten beim Gabelstaplerfahren auf die Probe – darunter Genauigkeit, Tempo und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Darüber hinaus meint Wintermann: „Ich glaube, es kommt wirklich auf das Feingefühl an.“ Die Tests dieser Qualitäten werden für das Publikum ansprechend als „Kunststücke“ verpackt, wie sie sie bezeichnet.

Bei der Regionalmeisterschaft in Hermsdorf ging es unter anderem darum, in einem Fahrzeug mit abgedeckten Scheiben einzig über eine Kamera zu operieren und winzige Fässer mit dem großen Hubgerüst zu händeln. Das mögen keine typischen Situationen aus dem Arbeitsalltag sein, sie erfordern aber eine hohe Kenntnis der Geräte.

Tatsächlich habe Wintermann nicht extra für den Wettbewerb trainiert, wie sie erzählt, sondern einfach die Erfahrungen aus ihrem Beruf genutzt. Die 36-Jährige arbeitet seit sieben Jahren als Staplerin, fünf davon bei den Milchwerken Mittelelbe in Stendal, wo sie auch zum ersten Mal von dem Stapler-Cup erfuhr.

Mittlerweile ist Wintermann als Teamleiterin tätig und so mehr für die Koordination von Mitarbeiter zuständig. Dennoch sitzt sie immer noch häufig selbst im Stapler und füllt die Lagerregale so, dass Maschinen mit genauen Ansprüchen die Produkte später problemlos wieder herausnehmen können. Das Feingefühl, auf das sie hohen Wert legt, wird also stetig gefördert.

Schwierigkeiten hat sie nur mit der Umgewöhnung auf eine andere Steuerung. Wintermann ist von der Arbeit eine Handschaltung gewohnt, beim Wettbewerb werden die Füße genommen. Das habe schon einige Kollegen abgeschreckt, erzählt sie. Und weil „die sich nicht getraut haben“, ist aktuell nur ihr StaplerCup-Pokal bei den Milchwerken ausgestellt - andere haben sich daran noch nicht versucht.

Spontane Vorbereitung mit den Konkurrenten

Trotz ihrer Selbstsicherheit gibt Wintermann eine gewisse Nervosität zu, ihren Plan schmiedet sie auch erst beim Wettbewerb: „Ich gucke mir viel von den anderen ab.“ Das verbessert nicht nur die Gewinnchancen, sondern baut auch den Leistungdruck etwas ab - daher „will ich da lieber nicht die erste sein.“

Eine richtige Vorbereitung ist aber ohnehin nicht wirklich möglich, denn die Disziplinen wechseln Jahr für Jahr. 2018 ging es etwa darum, Paletten durch einen engen Gang zu manövrieren, Fässer nach einem komplizierten Parcours als Pyramide zu stapeln oder einen doppelten Turm zu bauen und anzuheben, ohne dass er umfällt.

Die diesjährigen Disziplinen sind bereits in vollem Gange, seit dem 19. September findet das Finale des 15. StaplerCups in Aschaffenburg statt. Zu den Gästen des Rahmenprogramms gehören Sänger Michael Schul-te, Politikerin Judith Gerlach und TV-Sportexperte Sven Hannawald.

Der Wettbewerb um den Titel Deutsche Meisterin der Staplerfahrerinnen, bei dem Janine Wintermann mit antritt, findet am Samstag, den 21. September um 18:30 Uhr statt. Die Veranstaltung kann auch über das Internet im Livestream mitverfolgt werden. Entsprechende Links finden sich unter der Adresse www.staplercup.com/.