Antholz (dpa) - Bestens gelaunt schnappte sich Denise Herrmann ihre Ski, um beim entspannten Langlaufen in der Sonne Südtirols Kraft für ihren nächsten WM-Coup zu sammeln.

Ihr Gewehr nahm die 31-Jährige einen Tag vor dem schweren Einzel am Dienstag (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) wie ihre Teamkolleginnen Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Karolin Horchler diesmal jedoch nicht in die Hand. "Jetzt ist es wichtig, dass man nach drei Wettkämpfen die Speicher ordentlich füllt - gut schläft, gut regeneriert und wirklich gut isst", sagte Herrmann mit Blick auf ihr viertes Rennen bei den Biathlon-Weltmeisterschaften im italienischen Antholz.

Die frühere Langläuferin kann zur Halbzeit der Welttitelkämpfe im Südtiroler Biathlon-Mekka ein positives Fazit ziehen, holte sie doch mit Silber in der Verfolgung ihre insgesamt vierte WM-Medaille. Im Klassiker über 15 Kilometer will die ehrgeizige Sächsin nun nachlegen. Die WM-Generalprobe in Pokljuka hatte sie mit erstmals vier fehlerfreien Schießeinlagen gewonnen.

In der Höhe von Antholz hatte sie allerdings bisher einige Probleme am Schießstand. Bei einer Strafminute pro Fehler kann sich die in läuferischer Top-Form befindliche Herrmann nicht viele Fahrkarten leisten. "Mit einer Strafe kann man sich schon was einhandeln. Und es ist immer tückisch hier. Die Automatismen müssen überwiegen, man muss alles ausblenden. Das ist die Schwierigkeit bei einer WM", sagte Herrmann. Ihre Medaille könnte auch für ihre Teamkolleginnen ein Brustlöser sein. Denn Vanessa Hinz als Verfolgungsfünfte und Franziska Preuß mit zwei Top-Ten-Plätzen sind ebenfalls nicht weit weg von den Spitzenrängen - rechtzeitig zur WM ist das Team fit.

Ihre Stärke im direkten Kampf gegen eine Kontrahentin kann Herrmann diesmal aber nicht ausspielen - so wie im Verfolger, als sie im Duell um Silber Norwegens Sprintweltmeisterin Marte Olsbu Röiseland am letzten Anstieg stehen ließ. Auf den 15 Kilometern geht es eher um den Kampf gegen sich selbst.

Dass ohne die spektakulären Direktduelle viele das Einzelrennen langweilig finden, spielt für Herrmann keine Rolle. Die Frage, ob das älteste aller Biathlonrennen noch zeitgemäß ist, stellt sich für sie wie für fast alle Skijäger nicht. "Klar ist es zäh zum Angucken, aber ich finde schon, dass man Traditionen im Sport wahren soll", sagte die frühere Langläuferin.

Im Biathlon ziehen vor allem die Verfolgung, der spektakuläre Massenstart und die Staffeln Millionen Fans vor den Fernseher. Auch deshalb, und um noch mehr Vermarktungsmöglichkeiten zu finden, hatte der Weltverband in der jüngeren Vergangenheit mit der Mixed- und Single-Mixed-Staffel neue Formate eingeführt. Neueste Variante ist der Supersprint, der nach dem zweitklassigen IBU-Cup demnächst auch im Weltcup getestet werden soll. Drei kurze Laufrunden und zwei Schießeinlagen sollen mehr Action liefern als der langatmige Einzel, von dem in der Saison ohnehin nur noch drei Wettkämpfe gelaufen werden.

Die Athleten sehen das aber durchaus kritisch. Die Komplexleistung aus Laufen und Schießen soll weiter im Mittelpunkt stehen. "Biathlon ist laufen und schießen. Nicht nur schießen und schießen, man muss auch laufen können. Und dass muss man im Supersprint nicht so. Wenn Du da schießen kannst, dann reicht es auch", gab Herrmann zu bedenken.