Whistler (dpa) - Schon wieder kann Francesco Friedrich einen Rekord knacken. Erst einmal in der fast 90-jährigen WM-Historie hat ein Bob-Pilot sein WM-Double wiederholen können.

Das gelang dem legendären Italiener Eugenio Monti 1961 in Lake Lacid, nachdem er zuvor auf der anspruchsvollen Bahn in Cortina d'Ampezzo gewann. Nun kann der 28-jährige Sachse, der mit seinem fünften Zweierbob-WM-Titel in Serie den 58 Jahre alten Monti-Rekord schon egalisiert hatte, dieses Kunststück auch schaffen. Nach seinen Doppelsieg 2017 in Königssee, wo er sich den Titel im Viererbob mit dem zeitgleichen Johannes Lochner teilen musste, geht er erneut als ein Favorit in die Rennen am Wochenende auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler.

Auch wenn der Kanadier Justin Kripps in den Trainingseinheiten einige Bestzeiten hinlegte - Friedrichs Wallner-Schlitten gilt als schnellster des Feldes. "Unser Vierer ist unheimlich schnell, es wird nicht am Material liegen, nicht am Start, es wird daran liegen, wie Franz in der Bahn mit dem Gerät klarkommt. Ich bin mir sicher, dass er das gut hinkriegt", meinte Bremser Thorsten Margis. Friedrich sieht im Gegensatz zum Zweierbob deutlich mehr Favoriten. "Aber wenn wir viermal gut starten, viermal gut fahren, dann ist alles möglich", sagte Friedrich, der am Mittwochabend (Ortszeit) trotz lockeren Starts zweimal Bestzeit fuhr.

Die Weltmeister-Crew von 2017 mit Candy Bauer, Martin Grothkopp und Margis strahlt seit dem Olympia-Gold in Pyeongchang eine unglaubliche Sicherheit aus. So wurde das Team in diesem Winter erstmals Weltcupgesamtsieger in der Königsklasse. "Wir sind Perfektion gewohnt, das haben wir uns über die Jahre antrainiert. Mit dem Olympiasieg sind wir alle entspannter geworden. Der Überdruck ist weg, weil wir unser großes Ziel erreicht haben", sagte Grothkopp und fand: "Auch Franz hat noch mal einen Schritt gemacht und ist noch gelassener geworden."

Die WM-Mission Titelverteidigung war kurz in Gefahr. Denn erst in den WM-Tagen machte die Crew einen Trainingssturz beim Weltcupfinale öffentlich. "Das einzige, was uns gestresst hat, war der Sturz in Calgary", meinte Margis. Auch Bauer gab zu: "Der erste Gedanke war, was ist mit dem Bob passiert?" Am Ende wurde der Riss am Gefährt laminiert und neu lackiert. Auch in Whistler ist die Sturzgefahr immer ein Thema - das zeigten auch die Trainingseinheiten. "Wir hoffen, dass nichts passiert. Denn auf der Bahn ist es auch schwer genug, beim Sturz im Bob drin zu bleiben", betonte Bauer.

Die gestandenen Männer denken in solchen Momenten auch an Frau und Kind, denn Friedrich und Co. sind mittlerweile Familienväter. "Wir tauschen uns schon aus und geben uns auch Tipps. Auf der einen Seite ist es cool, mit den Männern unterwegs zu sein. Andererseits sind wir auch angespannt, weil uns als Familienväter nichts passieren darf. Das hat man immer im Hinterkopf", sagte Grothkopp.