Altmark l Das aus Bausteinen konstruierte Fahrzeug setzt sich in Bewegung und bleibt nach einer bestimmten Strecke stehen. Zufriedene Gesichter bei Aamir Shakir und Normen Lüttge. Die beiden Oberstufenschüler des Gymnasiums Geschwister Scholl in Gardelegen gehören zu den ersten Teilnehmern des MINT-Projekts, initiiert von den Wirtschaftsjunioren Altmark. Der Begriff „MINT“ steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die beiden 18-Jährigen haben das Fahrzeug selbst konstruiert sowie programmiert. Eine Fachdisziplin, die im sachsen-anhaltischen Unterrichtsangebot eher ein Nischendasein fristet. Dem wollen die Wirtschaftsjunioren (WiJu) begegnen, geht es doch auch um Schlüsselqualifikationen zukünftiger Fachkräfte.

Wenige Schulen mit MINT-Schwerpunkt

„Im bundesweiten Vergleich gibt es in Sachsen-Anhalt nur wenige Schulen mit MINT-Schwerpunkt, wenngleich Forschung, Entwicklung und Produktion im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich die stärkste wirtschaftliche Säule des Landes darstellen“, erläutert Stefan Wolf, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren. Und weiter: „Aktuelle Themen und Interessen der Schüler im allumfassenden IT-Bereich finden in den Rahmenlehrplänen kaum beziehungsweise gar keine Beachtung.“

Eine deutliche Kritik des unternehmerischen Nachwuchses an der Bildungspolitik des Landes. Doch statt nur zu meckern, bieten sie ein Lösung an. Im Rahmen eines Projektes mit Schwerpunkt MINT unterstützen sie Schulen der Altmark und bieten den spielerischen Umgang mit Informatik und Technik auf Basis der Bausteine des dänischen Spielwarenherstellers mit den vier Buchstaben. Dieser hat eine spezielle Produktlinie ins Leben gerufen, die unter dem Begriff „education“ Kinder und Jugendliche an die Thematik heranführt. „Das ist das erste Projekt, das wir umsetzen“, berichtet WiJu-Projektleiter Marcus Schubert, zu dessen Team noch Svantje Junghass und Marcus Rattke zählen. Gestartet ist es bereits im August vergangenen Jahres und zählt zu einem Kernanliegen der Wirtschaftsjunioren Sachsen-Anhalts.

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Zwölf Schüler mit von der Partie

Konkret wurde es dann im Dezember vergangenen Jahres. Mit dem Gymnasium in Gardelegen konnte die erste Schule in der Altmark als Partner gewonnen werden. Seitdem setzen sich zwölf Schüler der neunten bis zwölften Klassen mit der Welt der Technik auseinander. Geplant ist, in zehn Lerneinheiten á 90 Minuten die Funktionsweise der einzelnen Steuerteile kennenzulernen. Schubert betont, dass momentan nicht starr an den zehn Wochen festgehalten werde. Noch sammle man Erfahrung, was praktikabel sei.

Am Anfang gehe es darum, aus den Bausteinkomponenten ein Fahrzeug zu konstruieren, so Schubert. Im Anschluss erfolgt das Programmieren des Fahrzeugs. Die freiwilligen Teilnehmer erhalten dazu Aufgaben, die sie mittels der Steuerplattform am Computer lösen sollen. Dabei muss noch keine Programmiersprache beherrscht werden, betont der Projektleiter. Alle „Steuerbefehle“ lassen sich per Modul oder über Menüs auswählen. Es gehe um das Grundverständnis aus Konstruktion und Programmierung, um damit eine Aktion oder Aufgabe zu lösen, erläutert Schubert.

Früher gehörte Informatik zum Unter

„Ich begrüße es voll und ganz“, freut sich Holger Pleske über das Engagement der Wirtschaftsjunioren an seiner Schule. Der Lehrer für Informatik und Mathematik mit rund 40 Dienstjahren weiß um die Wichtigkeit dieser Thematik und die Defizite im staatlichen Bildungssystem. „Da waren wir mal wesentlich weiter“, resümiert er. Informatik gehörte auch in Sachsen-Anhalt zum Lehrplan der sechsten bis zwölften Klassen, erinnert er sich. Der Mangel an Lehrern habe dann aber zum Mangel im Unterricht geführt, legt Pleske, der auch Landessprecher für Informatische Bildung in Sachsen-Anhalt ist, dar.

Für Schubert, Medientechnologe für Digital und Print sowie Technischer Assistent für Informationstechnik, ist dieses Pilotprojekt auch Herausforderung. Denn Ziel sei es, einen solchen „Zusatzunterricht“ an möglichst vielen Schulen der Region anzubieten. Doch dazu benötigen die Wirtschaftsjunioren Unterstützung. „Wir denken da insbesondere an die Ausbilder in den Unternehmen der Altmark“, sagt Stefan Wolf. Denn es fehle insbesondere an personeller Unterstützung, um solchen Zusatzunterricht zu stemmen.