Buenos Aires/New York/London (dpa) - Die argentinische Regierung will die Abwertung des Peso stoppen und eine weitere Kapitalflucht aus dem hoch verschuldeten Land verhindern.

Kreditinstitute müssen größere Verschiebungen ihres Vermögens künftig von der Zentralbank genehmigen lassen, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Laut einem Bericht der Zeitung "La Nación" will die Zentralbank ab der kommenden Woche zudem massiv am Devisenmarkt intervenieren, um die Landeswährung zu stützen.

"Wir alle können mit Verantwortungsbewusstsein und Vernunft dabei helfen, den Argentiniern Ruhe zu geben. Jeder an seiner Stelle", schrieb Staatschef Mauricio Macri bei Twitter. "Als Präsident ist das meine einzige Priorität. All mein Handeln weist in diese Richtung."

Zuvor hatten die Ratingagenturen Fitch und Moody's ihre Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit Argentiniens erneut gesenkt. Fitch korrigierte das Rating von "CCC" auf "RD". Die Bewertung bedeutet "Restricted Default", also so viel wie eingeschränkter Kreditausfall, und ist nur eine Stufe vom Rating für Zahlungsausfall entfernt.

Argentinien habe einseitig beschlossen, fällige Schuldtitel erst später zurückzubezahlen, teilte die Ratingagentur mit. Darum habe Fitch einen Zahlungsausfall bei dem Land festgestellt. Die Ratingagentur hatte erst Mitte August ihre Einschätzung gesenkt. Moody's stufte die Schulden von Argentinien von "B2" auf "Caa2" hinab. Damit gelten die Kredite des Landes bei der Ratingagentur jetzt als "extrem spekulativ".

Neben der Fälligkeit von Staatsanleihen will die argentinische Regierung auch den Rückzahlungstermin für die Milliardenkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) verschieben. Er habe mit dem Fonds Verhandlungen über die Fälligkeit der Kredite aufgenommen, sagte Finanzminister Hernán Lacunza.

"Wir verstehen, dass die Regierung diesen Schritt gemacht hat, um für Liquidität zu sorgen und die Reserven zu schützen. Wir stehen in diesen herausfordernden Zeiten an der Seite von Argentinien", sagte IWF-Sprecher Gerry Rice.

Als der argentinische Peso im vergangenen Jahr stark abwertete, hatte der IWF Argentinien einen Bereitschaftskredit in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar gewährt. Zuletzt geriet die Landeswährung allerdings erneut heftig unter Druck, nachdem bei den obligatorischen Vorwahlen der wirtschaftsliberale Präsident Mauricio Macri eine herbe Niederlage gegen den linken Oppositionskandidaten Alberto Fernández hinnehmen musste.

Viele Anleger fürchteten offenbar einen Wahlsieg von Fernández und dessen Vizekandidatin, Ex-Präsidentin Cristina Kirchner, bei der Präsidentenwahl im Oktober. Die ehemalige Staatschefin steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik und eine konfliktreiche Beziehung zum IWF.

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