Berlin (dpa) - Zugverspätungen bei der Deutschen Bahn sind immer seltener auf Stellwerkstörungen zurückzuführen. Nach Angaben der Bahn lösten Probleme an den Stellwerken in diesem Jahr bisher rund 146.000 Zugverspätungen aus.

Im Vorjahr waren es demnach rund 248.000 Verspätungen, 2018 noch 277.000. Ein Bahnsprecher verwies zur Begründung auf massive Investitionen in moderne Stellwerkstechnik, die bereits zu einem Rückgang des "Störgeschehens" geführt habe. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet.

In den vergangenen drei Jahren waren zwischen ein und zwei Prozent aller Züge der Deutschen Bahn wegen Stellwerkstörungen verspätet, wie aus Antworten des Bundesverkehrsministeriums auf Anfragen der Grünen-Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock und Oliver Krischer hervorgeht. Hauptgründe seien die zunehmende Auslastung des Schienennetzes, Ausfälle während der andauernden Hitzewellen in den Sommern 2018 und 2019 sowie Bauteilverschleiß. Als verspätet gelten Züge, die mindestens sechs Minuten später am Ziel ankommen als vorgesehen.

Jahrzehntelang sei in die Schieneninfrastruktur zu wenig investiert worden, kritisierte Krischer. "Die Bremsspur bei den Investitionen macht sich jeden Tag für Tausende von Reisenden durch Verspätungen bemerkbar." Züge dürften beispielsweise über bestimmte alte Brücken nicht zu schnell fahren oder es gebe Probleme in den Stellwerken, die oftmals aus den 1960er Jahre stammen. Teilweise werde beim Stellen der Weichen auch noch auf Technik aus der Kaiserzeit zurückgegriffen. "Die Digitalisierung der Stellwerktechnik muss endlich konsequent angegangen werden", sagte Krischer.

Der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Matthias Gastel, machte die "Sparpolitik der Vergangenheit" verantwortlich. "Es fehlt oft an qualifiziertem Personal, sodass Instandhaltungsarbeiten bei der Stellwerkstechnik aufgeschoben werden", sagte er. "Letztendlich zahlen Bahnfahrgäste und Güterkunden heute die Zeche für das Sparen am falschen Ende."

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