Kopenhagen/Lubmin (dpa) - Dänemark hat der umstrittenen Gas-Pipeline Nord Stream 2 seine Zustimmung gegeben. Wie die Energieverwaltung mitteilte, darf ein 147 Kilometer langer Teil der Pipeline auf dem dänischen Kontinentalsockel südöstlich von Bornholm durch die Ostsee verlaufen.

Die Behörde sei zu dem Schluss gekommen, dass dieser Streckenverlauf zwei Alternativrouten - eine davon sollte nordwestlich von Bornholm verlaufen, eine andere auf längerem Wege ebenfalls südöstlich von der Insel - vorzuziehen sei.

Russlands Präsident Wladimir Putin begrüßte die Zustimmung Dänemarks. Dies sei ein wichtiger Schritt, betonte der Kremlchef bei einem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban am Mittwoch in Budapest. Dänemark habe im Interesse seiner EU-Partner gehandelt.

Die Nord Stream 2 AG hat mehr als eineinhalb Jahre auf den Bescheid gewartet. Die dänische Behörde habe nicht der Wunschroute, sondern einer um acht Kilometer längeren Route durch die Ausschließliche Wirtschaftszone zugestimmt, sagte ein Unternehmenssprecher. Nord Stream 2 hoffe noch, dass zum Jahresende das erste russische Gas durch die Leitung strömt. "Wir arbeiten hart daran, das Projekt in den kommenden Monaten abzuschließen", sagte Sprecher Steffen Ebert.

In den kommenden Wochen würden die Vorbereitungsarbeiten bei Bornholm beginnen. Dazu gehörten etwa Gesteinsaufschüttungen für die Querung von existierenden Seekabeln und Rohrleitungen. Der dänische Teil der Pipeline entstehe aus Rohren, die in Mukran auf Rügen lagern.

Bislang sind Ebert zufolge mehr als 2100 Kilometer des Pipeline-Doppelstrangs verlegt worden. In russischen, finnischen und schwedischen Gewässern seien die Arbeiten vollständig, in deutschen Gewässern größtenteils abgeschlossen. Der Bau beider Anlandestationen in Russland und Deutschland stehe kurz vor dem Abschluss. Die Gasleitung überbrückt eine Entfernung von mehr als 1200 Kilometern.

Trotz Kritik aus anderen EU-Staaten und den USA steht die deutsche Bundesregierung hinter dem Projekt und hofft auf Versorgung mit preiswertem Gas - jährlich sollen 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Rohre nach Deutschland fließen.

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Oliver Hermes, nannte die Genehmigung eine "sehr gute Nachricht für die europäischen Verbraucher". Die zusätzlichen Gaslieferungen würden helfen, in Zeiten sinkender Eigenförderung und steigender Nachfrage die Energiepreise stabil zu halten. Nord Stream 2 werde zusätzliche Kapazitäten zur Versorgung Europas mit Erdgas schaffen, ohne dass andere Routen dadurch überflüssig werden, und sei auch keine Entscheidung gegen die Ukraine. Sie sei weiter ein wichtiges Transitland für russisches Erdgas.

Dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) zufolge wird dieser Zugang zu Gaslieferungen für europäische Verbraucher zu Einsparungen in Milliardenhöhe führen. Nord Stream 2 hat nach eigenen Angaben bisher rund sechs Milliarden Euro investiert. Dies habe Arbeitsplätze in ganz Europa geschaffen. Mehr als 1000 Unternehmen aus 25 Ländern seien an dem Projekt beteiligt.

Mitteilung Energieverwaltung

EWI Köln

Mitteilung Nord Stream 2