Berlin (dpa) - Wer mit Erdgas heizt, wird in diesem Jahr vermutlich draufzahlen müssen. Rund 735 Euro werden voraussichtlich im Durchschnitt fällig für Bewohner einer 70 Quadratmeter großen Vergleichswohnung, wie die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online mitteilt.

Das wären 35 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Die Gesellschaft erstellt einmal im Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund im Auftrag des Bundesumweltministeriums den Heizspiegel für die Bundesrepublik.

Wer noch mit Öl heizt, wird demnach in diesem Jahr mit 854 Euro genauso viel zahlen müssen wie 2018. Für Fernwärme rechnet die Gesellschaft wiederum mit einem Anstieg von rund 50 Euro auf 910 Euro im laufenden Jahr. Von 2021 an soll allerdings ein neuer CO2-Preis in Deutschland neben Diesel und Benzin auch Heizöl und Erdgas verteuern, um klimafreundliche Technologien voranzubringen - zum Einstieg geht es aber nur um wenige Cent pro Liter.

Im vergangenen Jahr waren die Preise für Heizöl deutlich um rund 95 Euro gestiegen. "Vor allem aufgrund des Sanierungsstandes gibt es jedoch große Unterschiede", teilte die Gesellschaft mit. Wer etwa in einer energetisch schlecht sanierten Wohnung lebt, zahlte 2018 beim Energieträger Erdgas mit insgesamt rund 980 Euro mehr als doppelt so viel wie die Bewohner einer gut sanierten Wohnung.

Den Daten zufolge heizt nahezu die Hälfte der mehr als 40 Millionen Haushalte in Deutschland mit Erdgas (48 Prozent). Heizöl kommt bei knapp einem Drittel aller Haushalte zum Einsatz (26 Prozent), Fernwärme bei rund 14 Prozent.

Die Bundesregierung bemüht sich, über Fördergeld, einen CO2-Preis und neue Vorgaben, klimaschädliche Ölheizungen zum Auslaufmodell zu machen. Ab 2026 sollen zum Beispiel neue Ölheizungen nur noch in Ausnahmefällen eingebaut werden dürfen. In Neubauten sind sie inzwischen ohnehin bereits selten geworden.

Wärmepumpen, die natürliche Wärme aus dem Boden, der Luft oder dem Grundwasser nutzbar machen und als weitgehend klimaneutral gelten, beheizen bislang lediglich zwei Prozent der Haushalte. Doch ihre Verbreitung in neu gebauten Wohnungen ist mit einem Anteil von rund 30 Prozent deutlich größer - Tendenz steigend. "Deshalb wurden sie in diesem Jahr zum ersten Mal in den Heizspiegel aufgenommen", teilten Mieterbund und co2online mit. Andere Energieträger und Heizsysteme wie Biomasse- und Nachtspeicherheizungen "werden deutlich seltener genutzt und sind darum bisher nicht Teil der Heizspiegel-Auswertung".

Die Ergebnisse zeigten, dass Klimaschutz den Geldbeutel schone, teilte das Bundesumweltministerium mit. Sowohl Heizkosten als auch CO2-Emissionen ließen sich durch energetische Sanierungen - etwa neue Fenster oder Heizungen und besser isolierte Dächer und Wände - "deutlich und anhaltend senken". Wer saniert und seine alte Ölheizung austauscht, soll künftig über Prämien und Steuernachlässe stärker gefördert werden.

Die Berechnungen beziehen sich auf eine 70 Quadratmeter große Vergleichswohnung in einem 501 bis 1000 Quadratmeter großen Mehrfamilienhaus.

Heizspiegel