Nürnberg (dpa) - Die Corona-Krise stellt die deutsche Wirtschaft vor die schwerste Prüfung nach dem Krieg.

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet im Jahresschnitt 2,5 Millionen Kurzarbeiter, einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 8,4 Prozent, dazu in der Spitze drei Millionen Arbeitslose. "Die deutsche Wirtschaft stürzt in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte", heißt es in dem Bericht des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit.

Zum Vergleich: Der bisherige Spitzenwert bei der Kurzarbeit in Deutschland lag im Mai 2009 bei 1,44 Millionen Personen - was einen deutlich geringeren Jahresdurchschnitt für 2009 ergab. In der Spitze könnte die Zahl der Kurzarbeiter Schätzungen anderer Institute zufolge auf mehrere Millionen Menschen steigen. Erste Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit am kommenden Donnerstag (30. April) bekanntgeben. Eine Befragung der Hans-Böckler-Stiftung hatte für die erste Aprilhälfte vier Millionen Kurzarbeiter in Deutschland ermittelt.

"Die Werte fallen deutlich drastischer aus als in den Frühjahrsprognosen vom März dieses Jahres, als etliche Informationen, etwa zum Fortgang der Eindämmungsmaßnahmen, zum Produktionsstopp in der Automobilindustrie, zur Aussetzung der Vermögensprüfung in der Grundsicherung und zu vielen internationalen Entwicklungen, noch nicht verfügbar waren", räumt das Institut ein. Diese Prognosen waren noch davon ausgegangen, dass der Wirtschaftseinbruch kürzer und weniger heftig ausfallen würde. "Die Wirtschaft gerät durch den Shutdown, den Einbruch der Weltkonjunktur und die hohe Unsicherheit unter enormen Druck", sagte IAB-Volkswirt Enzo Weber, Mitautor des Berichtes.

Das Szenario des IAB geht davon aus, dass die Wirtschaft bis Jahresende wieder weitgehend hochfährt. Es sei jetzt aber auch nicht mehr auszuschließen, dass sich die derzeitige Rezession zu einer globalen, systemischen Krise auswachsen könnte. Dabei würden immense und langanhaltende Schäden in der Real- und Finanzwirtschaft entstehen.

"Die Zahl der Arbeitslosen wird auf Basis der Vorausschau in den nächsten Monaten auf über drei Millionen steigen", heißt es in dem Bericht. "Im Zuge der angenommenen Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit macht sie im Verlauf der zweiten Jahreshälfte wieder gut die Hälfte des vorherigen Anstiegs wett." Im Jahresdurchschnitt werden der Prognose zufolge mehr als eine halbe Million Menschen mehr arbeitslos sein als im Vorjahr. Dass es in vielen Branchen zu mehr Arbeitslosigkeit komme, liege "an der Wucht des wirtschaftlichen Schocks". Betroffen sind fast alle Branchen.

Ein günstigerer Verlauf würde sich dagegen ergeben, sollte sich eine zügige Öffnung der Wirtschaft – auch weltweit – mit angemessenen Regeln für den Gesundheitsschutz als gangbarer Weg herausstellen, glauben die Nürnberger Forscher. Dies wäre etwa auch der Fall, sollten unerwartet schnell ein Impfstoff oder eine effektive Behandlungsmethode bereitstehen.