Wiesbaden (dpa) - Nach Zuwächsen bei Export und Industrieproduktion im November 2020 steigt die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft besser durch den aktuellen Lockdown kommt als im Frühjahr.

Die Erholung im Außenhandel halte an, sagte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, am Freitag. "Wir sind noch lange nicht auf Vorkrisenniveau zurück, aber die Auftragseingänge in der Industrie stimmen zumindest positiv für die Zukunft."

Deutschen Bank-Volkswirt Marc Schattenberg sprach von einem "bemerkenswerten" Ergebnis bei den Exporten, angesichts der erneuten Coronawellen bei wichtigen Handelspartnern. Allerdings dürfte die positive Dynamik durch den bis vorerst Ende Januar in Deutschland verlängerten Lockdown gedämpft werden.

Die Ausfuhren von Waren "Made in Germany" legten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November im Vergleich zum Oktober um 2,2 Prozent zu. Mit einem Volumen von 111,7 Milliarden Euro lagen sie aber noch 1,3 Prozent unter dem Vorjahresmonat. In den ersten elf Monaten gab es ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 10,3 Prozent auf 1103,9 Milliarden Euro.

Der Außenhandelsverband BGA rechnete zuletzt mit einem Exportrückgang von mindestens zwölf Prozent im Gesamtjahr 2020. Ein Jahr zuvor hatte Europas größte Volkswirtschaft noch Waren im Wert von mehr als 1,3 Billionen Euro exportiert.

Verbands-Chef Börner hofft auf eine reibungslose Machtübergabe in den Vereinigten Staaten nach der Bestätigung des neuen Präsidenten Joe Biden durch den Kongress, "damit die schwer gebeutelte US-Wirtschaft schnell wieder in Schwung kommt." Die USA waren in den letzten Jahren der wichtigste Einzelmarkt für Deutschlands Exporteure. Im November sanken die Ausfuhren in das von der Corona-Krise hart getroffene Land um 3,1 Prozent.

Die Nachfrage aus China zog dagegen kräftig an. Die Ausfuhren in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stiegen gegenüber November 2019 um 14,3 Prozent. Die Wirtschaft in dem Land, in dem erstmals Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden waren, hatte sich von dem Einbruch zum Jahresanfang 2020 kräftig erholt.

Die Einfuhren nach Deutschland insgesamt verringerten sich im Vergleich zum November 2019 um 0,1 Prozent auf 94,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vormonat ergab sich ein Plus von 4,7 Prozent.

Zeitweilige Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hatten das Geschäft mit Waren "Made in Germany" ausgebremst. Die folgende Erholung konnte den Einbruch bislang nicht kompensieren. Auch die Industrieproduktion war in der ersten Corona-Welle eingebrochen. Während der zweiten Welle ab Herbst ging die Arbeit in den meisten Industriebetrieben dagegen weiter.

"Die guten Nachrichten für die deutsche Industrie halten an", sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner mit Blick auf die Industrieproduktion. Dies mache Hoffnung, dass sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal in Grenzen halten werde.

Die deutsche Industrie stellte im November 0,9 Prozent mehr her als im Oktober. Der Anstieg folgt auf einen kräftigen Zuwachs im Oktober, der mit 3,4 Prozent sogar etwas höher ausfiel als bisher berechnet.

Nach Einschätzung von Nils Jannsen, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft, steht "die Nagelprobe für die Industrie" allerdings noch aus. Die Betriebe seien durch die im November eingeführten Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie nicht unmittelbar betroffen gewesen. Mit dem Lockdown seit Mitte Dezember hätten die Belastungen jedoch zugenommen. Die Schließung weiter Teile des Einzelhandels hemme den Absatz von Industrieprodukten.

Insgesamt sind die Aussichten für die Industrie nach seiner Einschätzung aber weitaus besser als im Frühjahr 2020, auch wegen des bis zuletzt robusten Absatzes im Ausland. "Die Industrie hat gute Aussichten, die zweite Welle vergleichsweise gut zu überstehen."

Die meisten Volkswirte rechnen für das Jahresende mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung, die aber bei weitem nicht so stark ausfallen dürfte wie nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr.

Unterdessen zeigt sich der Bau weiter unbeeindruckt von den Verwerfungen. Im Oktober stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten zehn Monaten des Jahres verbuchten die Betriebe ein Plus von 3,2 Prozent.

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