Essen (dpa) - Mit einem Milliardengewinn im Rücken will der Energiekonzern RWE den Ausbau seines Geschäfts mit den erneuerbaren Energien vorantreiben.

Im vergangenen Jahr verdoppelte der größte deutsche Stromerzeuger sein bereinigtes Ergebnis auf 1,2 Milliarden Euro, wie RWE am Donnerstag mitteilte. In das neue Geschäftsfeld will der Versorger kräftig investieren - allein bis 2022 sollen 5 Milliarden Euro in Windkraftanlagen und Solarparks fließen. In Deutschland sollen davon allerdings nur 20 Prozent investiert werden.

Noch stammen erst rund 12 Prozent des RWE-Stroms aus erneuerbaren Energien, wie Vorstandschef Rolf Martin Schmitz sagte. Den Großteil seines Stroms erzeugt der Essener Konzern nach wie vor mit Kohle, Gas und Kernkraft - und das wird vorerst auch so bleiben, wie Schmitz einräumte. Der Anteil der fossilen Produktion werde noch länger mehr als 50 Prozent ausmachen, wobei Gas immer wichtiger werde.

Der Essener Konzern hatte mit seinem alten Rivalen Eon eine Neuaufteilung der Geschäftsfelder vereinbart. Die Transaktion ist weitgehend abgeschlossen. RWE hat die Ökostromerzeugung von Eon übernommen, Eon bekommt dafür das Netz- und Vertriebsgeschäft der RWE-Tochter Innogy, die zerschlagen wird.

Im Zuge des Kohleausstiegs wird RWE von Ende dieses Jahres an schrittweise seine Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier abschalten. Vom Bund erhält RWE dafür 2,6 Milliarden Euro. In den Tagebauen und Kraftwerken würden dadurch kurzfristig mehr als 3000 Stellen und bis 2030 insgesamt etwa 6000 Arbeitsplätze wegfallen. "Wir gehen davon aus, dass es ohne jegliche betriebsbedingte Kündigungen geht", versicherte Schmitz.

Kohlegegner kritisieren RWE aber weiterhin. "RWE ist immer noch vor allem ein Kohlekonzern, der an seiner klimaschutzpolitisch, ökologisch und sozial verheerenden Geschäftspolitik festhält", sagte Dirk Jansen vom Umweltverband BUND. Der Konzern wolle ohne Not fünf weitere Dörfer am Braunkohletagebau Garzweiler zerstören.

Schmitz hält solcher Kritik entgegen, dass RWE seit 2012 den CO2-Ausstoß um mehr als 50 Prozent gesenkt habe. "Innerhalb von sieben Jahren haben wir 90 Millionen Tonnen CO2 eingespart - so viel wie nahezu alle PKW in Deutschland zusammen jedes Jahr ausstoßen."

Das meiste Geld verdiente RWE im vergangenen Jahr nicht mit seinen Kraftwerken, sondern mit dem Stromhandel. Dieses Geschäft steuerte mit 702 Millionen Euro mehr als die Hälfte des Gesamtgewinns bei. Das sei ein außergewöhnliches Ergebnis, sagt Schmitz. Für die kommenden Jahre lasse sich das "auf keinen Fall so hochrechnen". An der Börse kam der zurückhaltende Ausblick auf 2020 nicht gut an. Die Aktie stürzte in einem sehr schwachen Markt zeitweise um 11 Prozent ab. Im Laufe des Tages machte sie zwar einen Teil des Verlustes wett, blieb aber deutlich im Minus.

Die Stromversorgung in Deutschland ist nach Einschätzung von Schmitz durch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus nicht gefährdet. Die Energiebranche sei auf solche Situationen vorbereitet. "Wir haben für solche Szenarien seit Jahren die Pläne. Das ist nichts, was jetzt überraschend kommt", sagte er.

Auch die Betreiber der großen Strom-Übertragungsnetze in Deutschland sehen sich gewappnet. "Grundsätzlich sind wir in unseren Leitwarten für alle Notlagen gerüstet, weit über die derzeitige Bedrohung durch das Coronavirus hinaus", versicherten sie.

Finanzberichterstattung RWE

RWE-Mitteilungen zum Geschäftsjahr 2019