" Im Mittelpunkt Natur. Der Spätromantiker Georg Heinrich Crola ( 1804-1879 )" ist eine Sonderausstellung überschrieben, die jetzt auf Schloss Wernigerode gezeigt wird. Es handelt es sich um die erste Exposition mit dem Gesamtwerk des Künstlers.

Wernigerode. Anlass dafür ist der 130. Todestag des Malers am 6. Mai. In insgesamt vier Räumen werden über 130 Arbeiten gezeigt. Darunter bef nden sich 25 Ölgemälde, der Rest sind im Wesentlichen Handzeichnungen.

Dr. Christian Juranek, Geschäftsführer und Museumsdirektor des Schlosses, erläutert : " Die Besonderheit besteht darin, dass man zum ersten Mal überhaupt das Gesamtwerk zusammengetragen hat. " Und : " Crola gilt gemeinhin als Harzmaler. Das wird aber seiner eigentlichen künstlerischen Bedeutung nur bedingt gerecht und ist im Grunde viel zu kurz gegriffen. " Was er damit meint, ist aus der Liste der Leihgeber ablesbar. Darunter bef nden sich Nachfahren Georg Heinrich Crolas. Wesentliche Arbeiten stammen vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds, aus Schloss Nymphenburg bei München, aus der Kieler Kunsthalle, von den Kunstsammlungen der Veste Coburg sowie dem Harzmuseum Wernigerode. Zudem ist neben der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt auch das Hütten- und Technikmuseum Ilsenburg beteiligt. Damit war es möglich, erstmals sämtliche Schaffensperioden, also nicht nur jene im Harz, öffentlich zu präsentieren.

Die Schloss Wernigerode GmbH verfügt mit etwa 400 Werken wahrscheinlich über den größten Bestand von Arbeiten des Künstlerpaares Elise und Georg Heinrich Crolas.

" Es ist geradezu ein Trend erkennbar, Crola heute sehr viel höher zu schätzen, als noch vor Jahren", ergänzt Christian Juranek. Renommierte Kunstmuseen Deutschlands haben Gemälde von ihm aufgekauft, so unter anderem die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aber auch die Münchener Christoph Heilmann Stiftung. Selbst US-amerikanische Museen suchten auf dem deutschen Kunstmarkt mittlerweile gezielt nach Crola - und wurden prompt fündig.

Der in Dresden geborene Künstler hatte seinen Durchbruch als Landschaftsmaler zwischen 1830 und 1840. Er zählt genau genommen zum Kreis jener, die die Epoche der Romantik hinter sich ließen. Das ist in der Wernigeröder Ausstellung auch sehr gut nachvollziehbar. Insofern trifft der Begriff " Spätromantiker" auch nur noch bedingt zu. Studiert hatte Crola in Dresden zwischen 1825 und 1828 unter anderem bei Prof. Caspar David Friedrich. Sein Wanderleben durch ganz Deutschland unterbrach er in Wernigerode. Großzügig gefördert durch den Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, durfte er sich 1829 im Schloss ein Atelier einrichten. Ein Jahr später zog es Crola in die damalige Kunstmetropole Deutschlands nach München.

Einer Zufallsbegegnung im Ilsetal mit der Berliner Malerin und Bankierstochter Elisabeth Fränkel ist die spätere Heirat geschuldet. Beide lebten zusammen in einem Haus gegenüber dem Schloss Ilsenburg. Ansichten davon sind in der Ausstellung genauso zu bewundern, wie Crolas letztes Ölgemälde " Ilsenburg mit Blick zum Brocken vom Hüttenteich " ( 1867 ). Der Künstler litt mit zunehmendem Alter an einer starken Sehschwäche.

Interessant : Crola malte Motive, die in seiner Zeit ästhetisch als " unschön" und daher als unüblich galten : " Die Holzhauerhütte im Brockengebiet" ist da nur ein Beispiel. Der " Wildhüter im Christianental" ein anderes. Crola verzichtete bemerkenswerterweise auf ein eigentlich zeitgemäßes Porträt des Grafen und malte lieber einen Wildhüter - einen Mann aus der untersten sozialen Schicht. Auch diesbezüglich beschritt er neue Wege.

Die Ausstellung wird bis zum 1. November gezeigt. Christian Juranek rechnet bis dahin mit bis zu 50 000 Gästen. Bis zu 25 Prozent besuchen ausschließlich wegen der Sonderausstellungen das Schloss.

August 2009