Lea Jacob studiert Humanmedizin mit Bestnoten, ist verheiratet und Mutter einer sieben Monate alten Tochter. Die Studentin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde am 13. Januar von Bundespräsident Christian Wulff für ihre ehrenamtliche Arbeit geehrt. Im Netzwerk Medinetz Magdeburg e.V. hilft sie Menschen ohne Krankenversicherung. Für die Volksstimme sprach Nastasja Schiweg mit ihr.

Volksstimme: Sie haben das "Medinetz Magdeburg e.V." mitbegründet. Warum?

Lea Jacob: Durch das theoretische Medizinstudium wurde mir irgendwann klar, dass ich in die wirkliche Welt und Menschen helfen will. Meine damalige Kommilitonin Dong-Nghi Phan war Initiatorin des Projektes und holte mich schnell mit ins Boot. Ich wusste, dass genau das die richtige Schnittstelle zum Berufsleben für mich ist. Außerdem sind mir Demokratie und Menschenrechte besonders wichtig – nicht nur auf dem Papier. Eine ehrenamtliche Tätigkeit lag daher auf der Hand.

Volksstimme: Sie behandeln Menschen ohne Krankenversicherung. Wer kommt zu Ihnen?

Lea Jacob: Etwa die Hälfte unserer Patienten ist völlig ohne Papiere bei uns. Das sind meist untergetauchte Asylbewerber, deren Antrag abgelehnt wurde. Sie brauchen in erster Linie unsere Unterstützung. In diesem Zusammenhang war es auch schwierig für mich, eine Ehrung des Bundespräsidenten zu erhalten. Wenn die Regierung richtig arbeiten würde, wäre meine Arbeit gar nicht nötig. In etwas blumigeren Worten habe ich das auch so zu Christian Wulff gesagt.

Volksstimme: Wie erfuhren Sie, dass es zum Schloss Bellevue geht?

Lea Jacob: Kurz vor Weihnachten bekam ich einen dicken Brief. Darin waren die Einladung, ein Ablaufplan und Kleidungsempfehlungen. Das überraschte mich total und ich hab sofort überlegt, ob ich meine Tochter mitnehmen kann", erzählt die stellvertretende Vorsitzende des "Medinetz Magdeburg e.V.". Letztlich ließ sie die kleine Ronja bei der Oma und fuhr mit ihrem Ehemann nach Berlin.

Volksstimme: Wie schalten Sie ab, wenn Sie den ganzen Tag mit Menschen zu tun hatten, die eine besonders schwere Bürde tragen?

Lea Jacob: Naja, wir lernen den Umgang mit Schicksalsschlägen schon im Studium. Ich persönlich jogge gern und schöpfe Kraft aus meiner Familie.

Volksstimme: Wie schaffen Sie es, Ihr Studium, Ihren ehrenamtlichen Job und Ihre junge Familie unter einen Hut zu kriegen, ohne dass etwas zu kurz kommt?

Lea Jacob: Ich bin eigentlich ein fauler Mensch. Wenn ich allerdings etwas finde, was mir Spaß macht, ist es keine Belastung für mich. Meine Familie bedeutet mir alles, und wenn ich anderen Menschen helfen kann, ist es schön für mich, Erfolge zu sehen. Wenn sich Patienten für unsere ehrenamtliche Arbeit bedanken, ist das Lohn genug.