Soll die Ulrichskirche wiederaufgebaut werden oder nicht? Darüber entscheiden die Magdeburger am 20. März. Die Volksstimme bittet in einer Serie Personen des öffentlichen Lebens um einen Gastbeitrag zur umstrittenen Frage. Heute schreibt Klaus Erich Pollmann, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität.

Von Prof. Klaus Erich Pollmann

Die Frage Aufbau der Ulrichskirche, ja oder nein, ist vergleichsweise spät in Magdeburg zu einem öffentlichen Thema geworden. Anders als der Aufbau der Frauenkirche in Dresden, der Garnisonkirche in Potsdam oder des Berliner Stadtschlosses, das gleich nach der friedlichen Revolution des Herbstes 1989 Gegenstand öffentlicher Debatten wurde, war die Ulrichskirche lange Zeit gar nicht in der Diskussion.

Das hatte einen wesentlichen Grund darin, dass ein anderes Objekt im Mittelpunkt der symbolpolitischen Aktivitäten stand, nämlich die Johanniskirche. Die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Januar 1945 als Gegenstand der Erinnerungskultur und als Bezugspunkt der Friedenspolitik fokussierte sich auf die Johanniskirche als ein übergreifendes Symbol. Bei allen Gegensätzen, einmal zwischen Ost und West generell, ferner zwischen dem SED-Regime und der im Umkreis der Kirchen entstandenen Friedensbewegung näherten sich die Perspektiven im Rückblick ein Stück weit an. Also, der integrierende Magdeburger Ort der Erinnerungskultur in Bezug auf den Weltkrieg, Zerstörung, Wiederaufbau, Überwindung des Kalten Krieges und schließlich die Wiedervereinigung ist eindeutig die Johanniskirche, ergänzt um den Dom als Stätte der Montagsgebete, den symbolischen Ort der Reformbewegung von 1989.

Hierauf ist es zurückzuführen, dass die vor wenigen Jahren entstandene Kampagne für den Wiederaufbau der Ulrichskirche lange Zeit weitgehend auf den Kreis der Initiatoren beschränkt blieb, denn es fehlte an einem symbolpolitischen Hintergrund und einer breiten emotionalen Grundlage.

Dank der Beharrlichkeit und der festen Überzeugung von der Realisierbarkeit des Projekts seitens der Initiatoren ist der Wiederaufbau der Ulrichskirche nun aber zu einem Thema der Stadtbevölkerung insgesamt geworden. Und die Frage stellt sich nun beinahe umgekehrt: Was spricht eigentlich gegen den Wiederaufbau?

Eigentlich nichts, denn die Ulrichskirche sprengt keineswegs den Charakter und die Maße des Ulrichplatzes. Sie stellt vielmehr den axialen Bezug zur Johanniskirche her und könnte ein städtebauliches Eingangstor zu dem sich nach rechts und links erstreckenden Breiten Weg bilden. Das wäre ganz gewiss ein historischer Akzent und eine Bereicherung des Stadtbildes.

Allerdings muss ein überzeugendes Nutzungskonzept für die Ulrichskirche entwickelt werden, das es bisher noch nicht gibt.

Und das Schwierigste bleibt noch zu tun: Spenden in ausreichendem Maße einzusammeln und sich auf der wahrscheinlich langen Durststrecke nicht entmutigen lassen. Wenn man das auf sich nimmt und über den langen Atem verfügt, dann ja!

Morgen: Jochen P. Heite, Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e. V.

 

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