Zum Bildungspaket der Bundesregierung für bedürftige Kinder sieht der Paritätische Wohlfahrtsverband in Magdeburg nach Aussage von Regionalleiterin Sabine Dutschko "erheblichen Informations- und Aufklärungsbedarf". Deshalb startet der Verband mit seinen Mitglieds- und Partnerorganisationen nächste Woche eine Info-Kampagne in den Stadtteilen. Im Bürgerhaus Kannenstieg und anderen Einrichtungen heißt es "Mitmachen möglich machen! Chancen nutzen!"

Kannenstieg. "Wir sehen die Gefahr, dass bei den Kindern trotz aller Bekundungen nur ein Bruchteil des bereitgestellten Geldes ankommt", sagte Siegfried Hutsch, Grundsatzreferent Jugendhilfe des Paritätischen Sachsen-Anhalt, gestern im Bürgerhaus Kannenstieg. "Noch kennt kaum einer der Antragsberechtigten die genauen Inhalte, die Modalitäten und die Formen der Umsetzung des Bildungspaketes."

Deshalb, so Sabine Dutschko "gilt es, so viel wie möglich Eltern schnell und zielgerichtet zu beraten und anzuleiten. Sonst kommen wieder die Kinder zu kurz, die es sowieso schwer im Leben haben." Neben Zuschüssen zu Mittagsverpflegung in Schulen und Kindertagesstätten gebe es nun eine Reihe weiterer Förderungen. Dazu zählen Zuschüsse für Schul- und Kita-Ausflüge, Schulmaterialien oder Schülerbeförderung.

"Das Bildungspaket sichert aber auch den Rechtsanspruch aufs Mitmachen bei Musik, Sport und Spiel in Vereinen und Gruppen", so Sabine Dutschko. Sozialarbeiterin Romy Krauß vom Paritätischen Wohlfahrtsverband sagte: "Weitgehend unbekannt ist zum Beispiel auch, dass Leistungen rückwirkend zum 1. Januar beantragt werden können. Dafür muss der Antrag aber bis Ende April eingereicht werden."

Um solche Informationen an die Eltern zu bringen, will der Paritätische gezielt Einrichtungen in den Stadtteilen nutzen. Im Kannenstieg organisiert Sozialarbeiter Torsten Diedrich über das im Bürgerhaus ansässige Projekt "Sozialer Brückenbau" ohnehin Hilfe zur Selbsthilfe für Bedürftige in Magdeburg-Nord. Im Jugend- und Familienhaus Kannenstieg, das der Wohlfahrtsverband gemeinsam mit den Jungen Humanisten ebenfalls unter dem Dach des Bürgerhauses betreibt, sind Sozialarbeiter Ansprechpartner für junge Eltern aus dem Stadtgebiet. Informationen sollen aber auch vom Familienhaus Magdeburg (Walther-Rathenau-Straße 30) und von Einrichtungen des Deutschen Familienverbandes weitergesgeben werden, zum Beispiel auf speziellen Info-Veranstaltungen.

"Bei aller Kritik des Paritätischen an der Hartz-IV-Reform – hinter dem Bildungs- und Teilhabepaket stecken Chancen für die Kinder- und Jugendhilfe vor Ort, die es zu nutzen gilt", stellte Hutsch klar. Anspruch auf die Förderungen haben nach Angaben des Paritätischen in Magdeburg rund 12 000 Kinder, deren Eltern Hartz IV, Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten. "Über das Bildungspaket können pro Jahr mehr als fünf Millionen Euro in Magdeburg eingesetzt werden. Nun muss das Geld auch an die Kinder kommen", sagte der Jugendhilfereferent des Wohlfahrtsverbandes.

Die Anträge müssten beim Jobcenter, dem Sozialamt oder der Familienkasse eingereicht werden. Darüber hinaus sollen die persönlichen Ansprechpartner im Jobcenter zum Bildungspaket informieren und die Formulare ausgeben. Informationen erhalten Eltern aber ab sofort auch über den Paritätischen bei Sozialarbeiter Torsten Diedrich im Bürgerhaus Kannenstieg, Johannes-R.-Becher-Straße 57, Telefon 01 76/93 10 45 66, oder Romy Krauß, Telefon 6 29 33 74.