Im Rahmen der Aktion "Magdeburg putzt sich" traf sich am Sonnabend der "Bürgerverein Salbke Westerhüsen Fermersleben", um das "Salbker Lesezeichen" wieder auf Vordermann zu bringen. Und, um sich über die ständige Heimsuchung durch die "Vandalen" zu ärgern.

Salbke. Es riecht nach Lösungsmittel, Terpentin oder Azeton. "Das ist das Einzige, was hilft", sagt Manfred Eibs und schrubbt weiter an der grünen Glasscheibe. Man kann durch das Fenster die Straße "Alt Westerhüsen" erkennen. "Das hätten Sie mal vorher sehen sollen, die ganze Scheibe war mit Farbe zugeschmiert."

Um 10 Uhr haben sich die Mitglieder des "Bürgervereins Salbke Westerhüsen Fermersleben" zum Arbeitseinsatz am "Lesezeichen" getroffen, an ihrem "Baby", wie es Rainer Mann nennt. Seit 2009 gibt es das Lesezeichen in Salbke, Magdeburgs wohl ungewöhnlichste Open-Air-Bibliothek. Die Bücher sind in kleinen Schränken in der Holzkonstruktion des Bauwerks untergebracht. Wer will, kann sich eines herausnehmen, vielleicht vor Ort in der Sonne darin schmökern oder es zu Hause weiterlesen und wiederbringen. Umsonst. Mehrere Hundert Bücher stehen zur Verfügung. Das "Lesezeichen" hat aber auch eine kleine Bühne für Veranstaltungen, Bänke, eine Wiese – ein Treffpunkt eben für den Stadtteil. Und die Architektur des Gebäudes sorgt sogar weltweit für Furore. Jüngstes Beispiel ist die Auszeichnung des Gebäudes mit dem englischen "Brit Insurance Design Award 2011", bei Architekten in Wien, Venedig, Barcelona, Berlin und Frankfurt ist das Salbker Lesezeichen wegen seiner eindrucksvollen Architektur bekannt.

"Nur in Magdeburg nicht", schimpft eine Dame der sonnabendlichen "Putzkolonne". Man fühle sich "alleingelassen" mit dem Lesezeichen. Nicht mit der Aktion selbst, sondern mit dem Vandalismus an dem Gebäude. Der Bürgerverein wünsche sich, dass die Stadt und vor allem die Ordnungsbehörden mehr gegen die Verunstaltung des Lesezeichens unternehmen würden. Vor allem Jugendliche seien das Problem. "Sie treffen sich hier zum ,Vorglühen‘", sagt Rainer Mann. Darum ist das Gelände auch mit kleinen Glasscherben von Flaschen übersät. Im Januar erst war die Freiluftbibliothek verwüstet worden. Die Bücher lagen auf dem Gelände verstreut, zum Teil waren sie einfach zerrissen worden. Schlimmer aber noch sind die Farbschmierereien. Die Fenster und Sitznischen sind mit Graffiti zugekleistert. Wobei Manfred Eibs die Schmierereien nicht "Graffiti" nennen will. "Graffiti sind oft Kunstwerke, das hier aber nicht, das hier ist nur hässlich", sagt er und versucht weiter, die Farbe von den Fenstern zu bekommen.

Rainer Mann würde sich auch wünschen, dass der Stadtordnungsdienst oder die Polizei das "Salbker Lesezeichen" mehr im Auge hätten. "Das Lesezeichen soll doch ein Treffpunkt und ein Veranstaltungsort für den Stadtteil sein, darum haben wir es als Verein ja ins Leben gerufen", sagt Rainer Mann, aber gegen Vandalismus müsse es doch irgendwie geschützt werden können?

<6>Der Bürgerverein plant dafür eigene Aktivitäten, die er jetzt noch nicht verraten will, aber auch die Stadt sei gefordert, etwas zu tun.

<7>Dabei betont Rainer Mann auch, dass in vielen Bereichen die Zusammenarbeit mit dem Rathaus sehr gut funktioniere. So treffe sich der Bürgerverein in dieser Woche mit dem Kommunalen Gebäudemanagement der Stadt, um die großen Graffiti-Schmierereien an Teilen der Fassade entfernen zu lassen. "Das klappt immer sehr gut."

Auf die Frage, ob der Bürgerverein nicht langsam resigniere vor den immer wieder neuen Verwüstungen und Beschmierungen des "Lesezeichens", schütteln alle den Kopf. "Nein", sagt Rainer Mann, "das ist, wie gesagt, unser ,Baby‘ und das werden wir nicht aufgeben." Und darum kommen die Mitglieder des Vereins regelmäßig wieder, versuchen, die Farbe von den Fenstern und den Wänden abzuwischen, sammeln die Glasscherben und die Papierabfälle ein und hoffen, dass die Sauberkeit vielleicht dieses Mal etwas länger anhält.

   

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