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Flüchtlingskrise „Aquarius“ fischt Flüchtlinge aus Meer

Der Wittenberger Europabageordnete Arne Lietz hat Lampedusa und ein Rettungsschiff für Flüchtlinge besucht.

Von Steffen Honig 03.03.2016, 00:01

Lampedusa l Als Arne Lietz vor knapp einem Jahr Klaus Vogel kennenlernte, hörte er zum ersten Mal vom kühnen Plan des erfahrenen Hochseekapitäns: Eine eigene Rettungsmission für Flüchtlinge zu starten. Jetzt ist es soweit: Die „Aquarius“ liegt im Hafen von Lampedusa, bereit für den Einsatz im Mittelmeer zwischen Italien und der nordafrikanischen Küste. Hier verläuft seit mehr als 20 Jahren eine der Hauptfluchtrouten von Afrika nach Europa.

SPD-Europaabgeordneter Lietz aus Wittenberg, beim Start der Mission auf der italienischen Insel in der Vorwoche dabei, ist beeindruckt: „Für das Projekt wurden bisher eine Million Euro gesammelt, in Deutschland, Frankreich und in Italien – über Crowdfunding und Internetaufrufe.“

Vogel hatte bei der Reederei Hapag-Lloyd abgemustert und mit Gleichgesinnten im Mai 2015 die europäische Initiative „SOS Mediterranee“ gegründet. Das Wichtigste war die Suche nach einem geeignetem Schiff. Fündig wurden sie schließlich auf Rügen: Ein ehemaliges Fischerei-Schutzboot, 77 Meter lang, wurde gechartert und so hergerichtet, dass es 200 bis 500 Menschen aufnehmen kann. An Bord ist neben Offizieren und Mannschaft ein Ärzteteam der französischen Organisation „Médecins du Monde“ (Ärzte der Welt). Beim Einsatz wird eng mit der italienschen Küsten wache zusammengearbeitet.

Ein ähnliches Projekt wurde übrigens im Vorjahr von Brandenburg aus gestartet. Doch dieses Boot kann Flüchtlinge der Küstenwache nur melden, nicht selbst retten.

Finanziert ist die „Aquarius“ zunächst für die kommenden drei Monate. Die Mittelmeer-Initiative versucht, weitere Geldquellen zu erschließen. Denn zu Tausenden werden Flüchtlinge die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer wagen, wenn es erst wärmer geworden ist.

Klaus Vogel will mit seiner Crew helfen, sie vor dem möglichen Tod im Meer zu bewahren. Nach dem Vorbild der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die dies seit mehr als 150 Jahren tut.

Getreu dem Credo des Kapitäns: „Ich sehe es als meine Pflicht an, diese Hilfe zu leisten. Ich will nicht tatenlos zusehen, wie täglich Familien und Kinder ertrinken.“ Langfristig ist auch ein „Aquarius- Einsatz in der Ägäis, wo es jetzt besonders brennt, geplant.