Sindringen (epd) l Auf dem Land geht zunehmend Infrastruktur verloren: Die Arztpraxis verschwindet, die Schule, der Bäcker. Als vor rund einem Jahr im hohenlohischen Städtchen Sindringen klarwurde, dass sich kein Lebensmittelgeschäft mehr ansiedeln würde, wurde Stefan Hartmann aktiv.

Der 29-Jährige stammt aus einer seit Generationen am Ort ansässigen Landwirtsfamilie und hatte gerade die Baugenehmigung für seine Molkerei beantragt. Die Wartezeit bis zur Genehmigung überbrückte er damit, eine am Familientisch geborene Idee umzusetzen: einen vollautomatischen Dorfladen aufzumachen.

230 verschiedene Artikel

„Schon lange faszinieren mich Warenautomaten“, sagt er. Zufällig konnte er 20 Lebensmittel-Automaten günstig erstehen. Sechs von ihnen stehen jetzt in seinem Dorfladen Limescenter.

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Gefüllt sind die Warenkarussell-Automaten mit rund 230 Artikeln des täglichen Bedarfs. Von Wattestäbchen und Topfreinigern über Rotkohl und Marmelade. „Die Artikel sind teurer als im Supermarkt“, räumt Stefan Hartmann ein. Doch sie sind etwa preisgleich mit denen im Lebensmitteleinzelhandel. So kosten zehn Eier oder gut 1,5 Kilogramm Kartoffeln zwei Euro. Schokokekse gibt es für 1,80 und die 500-Gramm-Packung Kaffee einer gängigen Marke für sechs Euro.

Am frühen Nachmittag ist Edith Seifert aus einem Nachbarort im Limescenter. „Die Eier sind mir ausgegangen“, erzählt sie, und steckt ein Zwei-Euro-Stück in den Münzeinwurf. Mit einem Griff ist das Warenfach geöffnet und sie ist versorgt.

Verkaufsschlager Kondome

Etwa 100 Artikel stammen aus Bauernläden und Hofmanufakturen rund um Sindringen, sagt Hartmann. Dazu zählen Wurst und Nudeln, Mehl, Eier und Äpfel. Aus seinem eigenen Unternehmen, der Limesmolkerei, stammen Joghurt und Käse.

Was sind die Verkaufsschlager? „Kondome“, sagt Hartmann und lacht. „Dicht gefolgt von Käse und Fertigmenüs.“ Für die Menüs gebe es eine Stammkundschaft, die sich auf dem Heimweg von der Arbeit schnell was holt. „In dem Segment habe ich seit der Eröffnung am stärksten Auswahl und Menge erweitert.“

Er schätzt, dass etwa 30 Prozent der Käufer direkt aus Sindringen kommen. Der Rest kommt aus Nachbarorten. „Und an Wochenenden und in den Ferien auch vom nahe gelegenen Kochertalradweg.“

Trotzdem ist das Limescenter bislang kein wirtschaftlicher Erfolg. „Aber das Projekt muss man langfristig sehen, auf zehn oder 20 Jahre“, sagt Hartmann. „Es geht darum, das Städtchen lebenswert zu machen“, erklärt er. Großeinkäufe wird es im Limescenter nicht geben. Wer ohnehin mit dem Auto unterwegs ist, erledigt das in den Supermärkten der Region. „Aber wenn‘s dann zu Hause an einer Kleinigkeit fehlt wie dem Tortenguss oder der Butter, dann sollen die Leute das hier fußläufig bekommen können.“

Die Resonanz auf den Laden gibt ihm recht. Er hat sogar gehört, dass sich ein angehender Neubürger für den Ort entschieden habe, weil es so etwas wie seinen Laden andernorts in der Umgebung nicht gebe.