Erlangen - Die meisten Comic-Liebhaber wollen ihre bunten Bildergeschichten nach Experteneinschätzung weiterhin in gedruckter Form lesen.

Zwar wachse inzwischen die Verbreitung per E-Book, Smartphones und Tablet-PC, berichteten Branchenvertreter am Donnerstag zum Auftakt des Internationalen Comic-Salons Erlangen. Der Marktanteil der digital verbreiteten Comics sei aber noch relativ gering, betonten die Fachleute. Es handele sich bisher nur um eine Nische.

Die großen Umsätze würden weiterhin mit klassischen Comic-Büchern gemacht, räumte etwa Ronald Schäfer vom Stuttgarter Panini-Verlag in einer Diskussionsveranstaltung ein. Allerdings stelle die Verbreitung via App und E-Book eine Chance dar, neue Leser für Comics zu gewinnen, betonte er. Diese sollte man nicht ungenutzt lassen.

Nach Ansicht von Branchenexperten hat bereits in den vergangenen Jahren die wachsende Beliebtheit der sogenannten Graphic Novels, Romane in Comic-Form, dem einst als "Schund" verpönten Comic neue Leser erschlossen. "Der Comic kommt immer weiter in der Mitte der Gesellschaft an", ist Schäfer überzeugt.

Wie ein Rundgang über die Comic-Messe mit rund 150 ausstellenden Verlagen und Einzelkünstlern zeigt, wächst die Bedeutung der Graphic Novels in den Verlagsangeboten von Jahr zu Jahr. So bieten immer mehr Verlage auch Biografien und Sachbücher in Comic-Form an, etwa die Lebensgeschichte von Johnny Cash oder die Geschichte des Ersten Weltkriegs.

Der Carlson-Verlag setzt sich in einer vierbändigen Ausgabe mit dem Abwurf der ersten Atombombe über dem japanischen Hiroshima auseinander und verlegt selbst Klassiker wie Goethes "Faust" in Comic-Form. Ein anderer Verlag lädt dazu ein, sich im gefälligen Comic-Format mit der Quantentheorie, Philosophie und Psychologie vertraut zu machen.

Beliebt sind Dialektversionen von Comic-Klassikern. So stellte der Panini-Verlag in Erlangen ein Comic mit der US-amerikanischen Simpson-Familie auf Bayerisch vor. Die hessische Version gibt es bereits seit dem Vorjahr.

Thematischer Schwerpunkt des Comic-Salons mit mehr als 300 Künstlern ist in diesem Jahr der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Im Mittelpunkt steht eine Ausstellung mit Original-Zeichnungen des französischen Comic-Zeichners Jacques Tardi. Ihnen stellen die Festivalmacher Bilder von Künstlern gegenüber, die den Ersten Weltkrieg noch selbst erlebt hatten und ihre traumatischen Erlebnisse in Zeichnungen und Radierungen aufgearbeitet haben.

Zum Rahmenprogramm des Festival gehören weitere Ausstellungen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Comics beschäftigen. Das wichtigste Comic-Festival in deutschsprachigen Raum bietet der Szene zudem in zahlreichen Foren Gelegenheit zum Austausch. Höhepunkt des bis Sonntag (22. Juni) dauernden Festivals ist die Verleihung des Max-und Moritz-Preises an den Comic-Künstler Ralf König ("Der bewegte Mann").

Comic-Salon in Erlangen eröffnet

Erlangen - Die meisten Comic-Liebhaber wollen ihre bunten Bildergeschichten nach Experteneinschätzung weiterhin in gedruckter Form lesen.