Dresden - Für Restaurierung und Pflege Tausender historischer Bücher und Handschriften suchen Deutschlands Bibliotheken private Spender.

Das Finanzielle ist aber nur die eine Seite dieser Buchpatenschaften, wie der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden, Thomas Bürger, vor dem Nationalen Aktionstag zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts am Samstag in Weimar der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Frage: Was bringen Buchpatenschaften außer Geld?

Antwort: Es ist inzwischen für viele Bibliotheken vor allem eine Möglichkeit, mit Lesern in Kontakt zu kommen. Viele Menschen wollen mit historischen Büchern arbeiten, in den Zeugnissen der Geschichte blättern. Es ist eine großartige Idee, einerseits Freundschaftsbande zu knüpfen und andererseits Geld für dringend nötige Restaurierungen zu generieren. Ein Ersatz für die öffentliche Finanzierung ist das aber nicht, die muss gesichert sein. Über diese Grundfinanzierung hinaus gibt es jedoch wichtige Wünsche, die man nicht erfüllen kann.

Frage: Wie hat sich die Idee entwickelt?

Antwort: Buchpatenschaften nehmen zu und haben sich bewährt, stehen aber noch immer hinter anderen Ideen wie Steinpatenschaften in der Denkmalpflege zurück. Sonder- oder Hilfsaktionen wie nach dem Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar lösen stets größere Hilfswellen aus. Es braucht aber regelmäßiges Engagement, der Zauber kostbarer Handschriften ist groß. Gerade junge Leute entdecken die Magie der gedruckten und handgeschriebenen Schrift wieder.

Frage: Müssen Bibliotheken vielleicht mehr für die Idee werben?

Antwort: Das könnte sicher verbessert werden, denn die Leute wollen sich engagieren. Und jeder Euro hilft. Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die ideelle Bindung zur und Wertschätzung der Vergangenheit. Es ist mehr als ein schöner Gedanke, dazu beizutragen, Kulturgut und damit den Geist der Geschichte zu erhalten.

Frage: Wie hoch schätzen Sie den Bedarf?

Antwort: Deutschland ist eine Kulturnation, die Millionen von Bänden und Handschriften verwahrt. Es bräuchte viele Tausend Buchpaten, da ist noch ganz viel Luft nach oben. Jede große Bibliothek hat sicher Hunderte wunderbarer Objekte, die auf Paten warten. Hilfe ist nicht nur in Notfällen gefragt, es geht um eine Investition in die Zukunft, wenn das über Jahrhunderte erhaltene Wissen an spätere Generationen weitergegeben werden kann. Das ist eine große Herausforderung für den Staat, die durch bürgerschaftliches Engagement wesentlich unterstützt werden kann. Und hinter jedem Euro steht auch eine Willensäußerung.

ZUR PERSON: Thomas Bürger (61) ist seit 2003 Generaldirektor der SLUB Dresden. Er stammt aus Westfalen und arbeitete nach dem Studium an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. 1998 wechselte er an die Elbe und wurde Vize-Chef der SLUB.