Hamburg - Der deutsche Schriftstellerverband PEN stellt das Schicksal verfolgter Autoren in den Mittelpunkt seiner 90-Jahr-Feier am Mittwoch (19.00 Uhr) in Hamburg.

"Unser Hauptanliegen ist die Freiheit und die Verteidigung der Meinungsfreiheit", sagte PEN-Generalsekretärin Regula Venske der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Benefiz-Gala in der Freien Akademie der Künste lesen PEN-Mitglieder aus Texten verfolgter Autoren. Nobelpreisträger Günter Grass (87, "Die Blechtrommel") diskutiert mit dem ostdeutschen Schriftsteller Christoph Hein (70, "Horns Ende") - beide sind PEN-Ehrenpräsidenten - und dem amtierenden PEN-Präsidenten, dem österreichischen Autor Josef Haslinger (59, "Opernball") über das Thema "Schutz in Europa?". "Dabei geht es nicht nur um verfolgte Autoren, sondern die Flüchtlingsproblematik allgemein", sagte Venske.

Zugunsten verfolgter Autoren hat Grass vier Radierungen und zwei Lithographien zur Verfügung gestellt. Als Auktionator versteigert Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert (71) die Kunstwerke bei der Benefiz-Gala. Der Marktwert beträgt je 1280 Euro.

Weltweit werden laut PEN zurzeit rund 900 Schriftsteller und schreibende Journalisten verfolgt, sie werden inhaftiert, gefoltert oder sogar ermordet. "Die meisten verfolgten Autoren weltweit gibt es in der Türkei, noch vor China", sagte Sascha Feuchert, PEN- Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter. Die Verfolgung habe in den vergangenen Jahren weltweit zugenommen. Der PEN suche Kontakt mit der Bundesregierung, Botschaften und Regimen, um Autoren zu helfen. "Für viele Inhaftierte sind Solidaritätsschreiben des PEN von enormer Bedeutung - als Unterstützung zum Durchhalten, aber auch durch das Herstellen von Öffentlichkeit nach dem Motto "Wir passen auf diesen Autor auf!"", sagte Feuchert.

Als besonders tragischen und akuten Fall verwies Feuchert auf den saudi-arabischen Herausgeber und Blogger Raef Badawi, den der deutsche PEN im November zum Ehrenmitglied ernannte. Badawi sei zu einer zehnjährigen Haftstrafe, 1000 Peitschenhieben, einer hohen Geldstrafe, einem zehnjährigen Reiseverbot und einem zehnjährigen Medienverbot verurteilt worden. "Die 1000 Peitschenhiebe sollten noch im November erfolgen", sagte Feuchert. "Wir wissen nicht, ob das schon passiert ist und Badawi überlebt hat." Badawi habe sich lediglich für Religions- und Meinungsfreiheit sowie Frauenrechte eingesetzt, sagte Feuchert.

"Wir sind keine "Standesvertretung", auch wenn wir die Rahmenbedingungen von Autoren zu verbessern versuchen", betonte Venske. Dem deutschen PEN-Zentrum gehören rund 700 Mitglieder an - Voraussetzung für eine Aufnahme sind zwei PEN-Mitglieder als Bürgen. In den 90 Jahren deutscher PEN spiegele sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts, sagte Venske. 1924 gründeten deutsche Autoren innerhalb des internationalen PEN eine deutsche Sektion. In der NS-Zeit trat der deutsche Verband aus dem internationalen PEN aus. Exil-Autoren gründeten 1934 einen eigenen PEN, der bis heute besteht und jetzt "Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland" heißt.

1948 gründete sich das PEN-Zentrum Deutschland neu. 1951 spaltete sich das PEN-Zentrum (Bundesrepublik) ab. Das bestehende benannte sich um in Deutsches PEN-Zentrum Ost und West. Es hieß seit 1967 PEN-Zentrum Deutsche Demokratische Republik. Nach dem Ende der DDR existierte noch von 1991 bis 1998 ein eigenständiger Ost-PEN, 1998 erfolgte der Zusammenschluss mit dem West-PEN.