Hannover - Wer hatte Schuld am Ersten Weltkrieg? War die Zeit von 1914 bis 1945 tatsächlich ein 30-Jähriger Krieg? Was ist ein "Boche"?

Der Historiker Gerd Krumeich gibt in seinem neuen Buch "Der Erste Weltkrieg. Die 101 wichtigsten Fragen" kurze und prägnante Antworten zum Ausbruch, der Dimension und den Folgen des bis dahin größten Waffengangs der Geschichte. In sieben Kapiteln beschreibt er zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns auf nur 155 Seiten nicht nur politische Entscheidungen, ordnet den Aufstieg der Nationalsozialisten als Folge des Krieges ein und beschreibt die Schlachten und Waffentechnik, er erzählt auch Alltägliches von Front und Heimat.

Krumeichs Darstellung ist nicht chronologisch geordnet, kein Anspruch auf eine Gesamtdarstellung, sie ist dennoch eine Einführung in die Geschichte dieses Krieges ebenso wie ein Nachschlagewerk für die schnelle Beantwortung der wichtigsten Fragen. "Die Forschung zum Ersten Weltkrieg ist inzwischen auch für den Spezialisten unüberschaubar geworden, und gerade deshalb ist es wichtig, die entscheidenden Fragestellungen zu bündeln, dass sie für jeden Interessierten nachvollziehbar sind", beschreibt der emeritierte Professor für Neuere Geschichte seine Intention.

Bei Krumeich erfährt der Leser etwas über die Entwicklung der Waffentechnik. Er stellt und kurz und knapp dar, was ein Regiment, eine Division, ein Korps oder eine Armee war. Er zielt mit seinen ein bis eineinhalb Seiten langen Antworten auf die Leser, "die so etwas weder in der Schule noch beim Kommiss gelernt haben". Dies ist vor allem als kurze Information für alle Interessierten von Bedeutung, die in Hunderte Seiten langen und teils langatmigen Darstellung über Truppenbewegungen zum Beginn des Krieges lesen, ohne, dass der Umfang manchmal eingeordnet wird.

In den 101 Fragen werden auch die Dimensionen an Mensch, Munition und die Kräfteverhältnisse der feindlich gegenüberstehenden Blöcke skizziert. Wie viele Todesopfer und Verwundete gab es, wie viele Männer wurden mobil gemacht, wie viele Länder traten in den Krieg ein und oder wie viele Granaten wurden verschossen.

Der Autor befasst sich jedoch nicht nur mit der militärischen und politischen Dimension des Krieges. Er beschreibt auch die Leiden der Menschen in Deutschland im Steckrübenwinter 1916/1917, spricht die Nachkiegserzählungen an, wenn er fragt was "Stahlgewitter" waren und was "Im Westen nichts Neues" heißt. Beide Begrifflichkeiten wurden berühmt durch die Erzählungen von Ernst Jünger und Erich Maria Remarque. Krumeich behandelt konsequent knapp wie alle anderen Fragen auch die kulturellen Anstöße durch den Krieg.

Ebenso thematisiert er Propaganda, ein Wort, dessen Bedeutung erst im Ersten Weltkrieg so verändert wurde, wie wir es heute verstehen. So wurden die Deutschen nicht nur als gewalttätige Hunnen bezeichnet, sondern von den Franzosen auch als "Boche" tituliert. Für die Franzosen entsprach es nach Krumeich dem Bild vom "bluttriefenden Stiernackendoppelkinnfettwanst".

- Gerd Krumeich: Der Erste Weltkrieg. Die 101 wichtigsten Fragen, Verlag C.H.Beck, München, 155 S., 10,95 , ISBN 978-3-406-65941-6