Berlin - Wenn die amerikanischen Kandidaten für den Literaturnobelpreis aufgezählt werden, fällt immer wieder der Name Paul Auster (67). Der vielfach preisgekrönte Autor von 16 Romanen sowie Erzählungen, Drehbüchern und Gedichten zählt zu den profiliertesten Autoren der USA.

Auch in diesem Jahr ging Auster allerdings leer aus. Seit mehr als 30 Jahren lebt er mit seiner zweiten Ehefrau, der ebenfalls erfolgreichen Schriftstellerin Siri Hustvedt, im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Vor einem Jahr legte Auster sein autobiografisches "Winterjournal" vor, jetzt folgt mit "Bericht aus dem Inneren" ein weiterer Band mit Erinnerungen. Der Buchtitel klingt wie ein Expeditionsbericht aus einem fernen Kontinent. Der Autor begibt sich wie ein Forschungsreisender auf den schwierigen Weg zurück in eine Vergangenheit, die sehr entrückt zu sein scheint. Von sich selbst spricht Auster in seinem Buch immer nur in der zweiten Person Singular, sich stets bewusst, dass autobiografisches Schreiben kein objektiver Akt, sondern immer subjektive Neuschöpfung ist.

1947 wurde Paul Auster in Newark in New Jersey geboren, nicht weit von New York entfernt, der Stadt, in der viele seiner Romane spielen. Als Sohn jüdischer Einwanderer erlebte er eine Kindheit ohne große Dramen und Brüche, früh machte sich das Interesse für Bücher und Literatur bemerkbar. Aber wirklich elektrisiert war der Junge zunächst von Zeichentrickfilmen und dann vor allem vom Baseball und seinen Helden. Auch Filme sind Erweckungserlebnisse, mit sechs Jahren sieht er das Science-Fiction-Drama "Krieg der Welten" im Kino, und ist tief beeindruckt.

Auster ist durchaus schonungslos mit sich selbst, outet sich als Bettnässer, der als Achtjähriger im Sommerlager verschämt sein Laken auswaschen muss, zum Glück unbemerkt von den anderen Kindern. Wie ein dunkler Schatten liegt da schon das unspektakuläre Scheitern der Ehe seiner Eltern über diesen Erinnerungen. Er beschreibt sie in typischer Auster-Manier als "vom Zufall zusammengewürfelte Zellengenossen, die ihre Strafe in grimmigem Schweigen absaßen".

Nach gut 100 prägnanten Seiten Kindheitserinnerungen, die im Alter von zwölf Jahren enden, folgen auf über 70 Seiten detaillierte Nacherzählungen von zwei Filmen, die Auster in jungen Jahren stark fasziniert haben. Für den Leser ein eher zweifelhaftes Vergnügen, und auch die Briefe des Studenten Auster an seine Freundin und spätere erste Ehefrau Lydia Davis passen eigentlich nicht in den Kontext der Autobiografie. Zuletzt gibt es noch ein "Album" mit vielen zeitgeschichtlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Persönliche Bilder vom Autor Paul Auster sucht man allerdings vergeblich.

- Paul Auster, Bericht aus dem Inneren, Rowohlt Verlag Reinbek, 359 S., Euro 19,95; ISBN-13: 978-3498 00089 9.