Zur Person:
Anette Frier kam 1974 in Köln zur Welt und studierte nach dem Abitur Schauspiel. Sie spielte in Fernsehserien wie "Hinter Gittern" mit. Einem großen Publikum bekannt wurde sie vor allem mit Auftritten in den Comedysendungen "switch", "Wochenshow" und "Schillerstraße".

Die Rolle der Kölner Anwältin Danni Lowinski spielte die Schauspielerin seit 2010. Aktuell arbeitet Frier am Film "Die Schlikkerfrauen" mit, der an die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker angelehnt ist.

Die 40-Jährige ist verheiratet und seit 2008 Mutter von Zwillingen. Annette Frier lebt mit ihrer Familie in Köln.

Annette Frier spricht über das Aus für die Erfolgsserie "Danni Lowinski", ihre Befreiung aus der Ulknudel-Schublade und was sie an der Rolle als Ein-Euro-Anwältin gehasst hat. Für die Volksstimme sprach Cornelia Wystrichowski mit der Schauspielerin.

Volksstimme: Frau Frier, die Serie "Danni Lowinski" geht in die fünfte und letzte Runde. Sie haben die Ein-Euro-Anwältin mehrere Jahre lang verkörpert. Haben Sie selber beschlossen, dass nun Schluss sein soll?
Annette Frier:
Zumindest angestoßen. In der vierten Staffel war mir klar, dass wir alles ausgelotet haben - ein Märchen kann man ja auch nicht ewig weitererzählen. Das Ensemble war dann auch einverstanden, und zum Schluss haben wir eine große Party mit Abschiedswalzer gefeiert.

Fällt es nicht schwer, eine solche Rolle aufzugeben?
Ich bin nicht der zaghafte Typ bei solchen Entscheidungen. Ich bin damals auch aus der "Schillerstraße" rausgegangen, obwohl alle gesagt haben: "Bist du bescheuert?" Ich muss in meinem Beruf ja auch Sachen loslassen, damit etwas Neues passieren kann.

Was ist Ihrer Ansicht nach das Besondere an "Danni Lowinski"?
Schon als ich damals zum ersten Mal das Buch las, war mir sofort klar: Das ist relevant. Danni ist kein konstruiert wirkender Charakter, sondern eine Heldin, die man eventuell kennen könnte. Und ihre juristischen Fälle befassen sich nicht mit völlig abgehobenen Steuerflüchtlingen, sondern mit den Rechtssorgen von Menschen, die sich sonst keinen Anwalt leisten können. Und es ist doch klar, dass das mehr Deutsche interessiert als die Problematik der oberen Zehntausend.

Welche Rolle spielt das moderne Frauenbild in der Serie?
Uns war es immer wichtig, dass es nicht in erster Linie um die Suche nach "Mr. Right" geht. Es geht um eine Frau, die es als Anwältin schaffen will. Das ist schon was anders, als wenn das Glück einer Fernsehfigur nur darin besteht, dass sie den Richtigen findet.

Überwiegen zwischen Ihnen und der Serienfigur Danni Lowinski die Parallelen oder die Unterschiede?
Ich würde sagen: Ich bin die Diplomatin von uns beiden. Aber meine Diplomatie steht mir manchmal auch im Weg, oft fühle ich mich für einen Raum voller Leute verantwortlich, von denen eigentlich jeder für sich selber sprechen kann. Wahrscheinlich weil ich will, dass alle mich nett finden. Das würde der Lowinski nicht im Traum einfallen, von ihrem Selbstbewusstsein könnte ich mir ein paar Scheiben abschneiden.

Aber bitte nicht von Dannis Klamottengeschmack mit den sehr kurzen Röcken und den tiefen Ausschnitten ...
Der ist tatsächlich echt grenzwertig. Der schönste Moment war für mich an den Drehtagen immer, wenn ich abends aus der Nylonstrumpfhose schlüpfen konnte. Ich hasse Nylonstrumpfhosen. Die hochhackigen Schuhe waren eine gute Übung für mich, darin kann ich jetzt laufen.

Sie haben mal gesagt, Danni sei ein Sechser im Lotto gewesen. Was genau hat Ihnen die Serienrolle gebracht?
Ein Lottogewinn bedeutet ja Reichtum auf einer bestimmten Ebene. Für mich war die Rolle eine unglaubliche Bereicherung, weil sich viele Türen für mich geöffnet haben. Ich hatte vorher extrem zu kämpfen mit einem Image, das sich zwischen Schauspieler und Komiker bewegte. Das ist zwar eigentlich gar nichts Schlimmes, aber für mich war es schwierig, weil ich ja Schauspielerin bin.

Sie sind gelernte Theaterschauspielerin, wurden aber mit den Comedysendungen "Wochenshow" und "Schillerstraße" bekannt ...
Ich bin hauptsächlich in Formaten aufgetreten, in denen ich den Leuten als extreme Komödiantin im Gedächtnis geblieben bin. Da half es auch nichts zu erklären: "Hey, eigentlich bin ich Schauspielerin." In "Danni Lowinski" durfte ich die ganze Klaviatur von tragisch bis komisch spielen, und seitdem muss ich nicht mehr erklären, wer ich bin. Jetzt habe ich genau die Rollenauswahl, die ich mir gewünscht habe.

Welches sind Ihre neuen Projekte nach dem Serien-Aus?
Im Herbst drehe ich unter anderem den zweiten Teil der ZDF-Komödie "Mütter-Mafia". Im Sommer laufen jetzt erst mal die Dreharbeiten zu "Die Schlikkerfrauen".

Ein Film, der an die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker angelehnt ist. Planen Sie denn auch eine neue Serie?
Nein, ich werde wahrscheinlich Theater spielen, da freue ich mich sehr drauf. Anfang nächsten Jahres, in dem Zeitraum, in dem ich sonst immer die Serie gemacht habe. "Danni Lowinski" war zwar für mich immer komfortabel, weil wir im Kölner Süden bei mir um die Ecke gedreht haben. Aber wenn ich sechs Monate gedreht habe, musste ich mich danach erst mal zwei Monate erholen, dann machte ich wenn es ging noch einen Film dazwischen, und dann lagen schon die Drehbücher für die nächste Staffel auf meinem Tisch. Und irgendwann braucht das Gehirn halt auch mal Input und nicht nur Output (lacht).