Es dürfte kaum ein Tag vergehen, an dem nicht irgendwo auf der Welt seine Songs im Radio laufen. Albert Hammond ist im September und Oktober unterwegs auf Deutschland-Tour. Mit dem gebürtigen Engländer sprach Werner Jürgens.

Sie sind in Gibraltar und Spanien aufgewachsen. Wie sind Sie dort mit Rockmusik in Berührung gekommen?
Albert Hammond:
Angefangen mit Rock´n´Roll habe ich um 1960 in Spanien. Das war schwierig, weil damals noch das Franco-Regime herrschte. Wir haben es aber trotzdem immer irgendwie geschafft, unsere Musik zu machen. Inzwischen ist Rock`n`Roll längst ein Teil der spanischen Kultur geworden. Aber damals waren wir echte Pioniere.

Berühmt geworden sind Sie in den USA. Wenn man Ihren Song "It never rains in Southern California" anhört, haben Sie sich anfangs nicht leicht getan.

Das Lied ist eigentlich nicht in Kalifornien entstanden. Ich habe es 1969 an einem regnerischen Tag in England geschrieben. Die Geschichte reicht zurück in meine Zeit in Spanien. Damals musste ich mir Geld vor U-Bahnstationen erbetteln. Irgendwann kam zufällig ein Cousin vorbei und sah mich. Der meinte, er müsste umgehend meine Familie informieren. Darauf bezieht sich die Zeile: "Bitte erzähle den Leuten daheim nichts ..." Süd-Kalifornien habe ich nur deswegen benutzt, weil es bedeutender klang als "It never rains in Southern Madrid".

Ein weiterer Erfolg war "Down by the river". Aus heutiger Sicht ein visionäres Lied, weil Sie darin Umweltverschmutzung thematisieren.
Das entstand während meines ersten Aufenthaltes in Los Angeles. Als ich auf die Hügel mit ihren schillernden Farben blickte, dachte ich zunächst, dahinter würde irgend so ein abgefahrenes Hollywood-Ding stecken. Bis mir meine Freunde sagten, das läge an der Luftverschmutzung. Insofern stimmt es wohl, dass ich grün gedacht habe, lange bevor viele andere Leute dies taten.

Ein gelungenes Plädoyer für freies Durchatmen und eine perfekte Überleitung zu "The air that I breathe". Was können Sie uns über dieses Lied erzählen?
Das schrieb ich für ein Mädchen, das ich kennenlernte, als ich die ersten Jahre in Amerika war. Ich hatte kaum Geld und keine reguläre Arbeitserlaubnis. Sie gab mir eine Bleibe. Ich habe sie morgens zur Arbeit gefahren und abends wieder abgeholt. Tagsüber durfte ich ihr Auto benutzen. Irgendwann blieb ich zu Hause, um dieses Lied zu schreiben. Was daraus werden würde, davon ahnte ich am Anfang nichts. Es war bloß so ein Gefühl. Daraus entstand letztlich "The air that I breathe".

Auch die Olympia-Hymne "One moment in time" stammt von Ihnen.
Da rief mich der Fernsehsender NBC an und wollte einen Song, der die USA 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul repräsentieren sollte. Ich ging daraufhin zu meinem Kumpel John Bettis. Der ist zwar etwas füllig und kann nicht so gut rennen. Aber er ist ein Riesenfan von Olympia und kennt sich entsprechend gut aus. Nachdem wir den Song fertig hatten, habe ich ein Demo aufgenommen, so wie ich dachte, dass es klingen müsste.

Hatten Sie dabei gleich Whitney Houston als Interpretin im Kopf?
Meine Inspiration bestand eher darin, dass ich versuchte mir vorzustellen, wie Elvis Presley als die amerikanische Ikone schlechthin meinen Song gesungen hätte. Nachdem NBC das Demo akzeptiert hatte, schickte ich das Band an meine Plattenfirma. Deren Chef Clive Davis, dem auch ich meine Karriere in den USA zu verdanken habe, hatte letztlich die Idee, Whitney Houston zu engagieren. Am Ende machte sie ein Lied unsterblich, das wir ursprünglich für einen Mann geschrieben hatten.

Sie sind im Mai 70 Jahre alt geworden und nach wie vor im Showbusiness aktiv. Was treibt Sie an?
Bestimmt nicht das Geld. Es ist eher die Leidenschaft, etwas zu tun, was ich sehr liebe. Manchmal fühle ich mich auf einer Tour wesentlich wohler als zu Hause. Das ist für mich fast wie Urlaub. Bei mir zu Hause würde ich mich irgendwann doch bloß langweilen.

Was für ein Repertoire erwartet uns bei der anstehenden Tournee?
Das hängt zum Teil vom Publikum ab. Ich frage die Leute immer, was sie gerne hören möchten. Manche Fans wünschen sich echt obskure Sachen, die ich mal auf irgendwelchen Alben veröffentlicht habe. Aber das ist völlig okay, weil Fans nun einmal so sind. Abgesehen davon dauert mein Programm runde zweieinhalb Stunden. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass die Hits genauso zum Zuge kommen werden.