Magdeburg l Der Anfang verspricht viel. Die Zuschauer im Studio sitzen einander gegenüber; im Zentrum ein quadratisches Podest (Ausstattung Thea Hoffmann-Axtleben) aus Metall, umgeben von einem Gittergang, der an den Auftritt von Tigern im Zirkus erinnert.

An je einer Seite schlagen eingesperrte Jugendliche mit Metallstäben gegen das Gitter. Das atmet förmlich Aggressivität. Die "Dompteuse" (Susi Wirth) tritt in rotem Anzug auf, die "Raubtiere" werden aus dem Käfig gelassen und auf ihren Platz verwiesen, je eine Kochstelle im Geviert. Statt Knast ist Kochen als Anti-Aggressions-Training für die vier jungen Straftäter angesagt.

Der soziale Status der Jugendlichen geht quer durch alle Schichten. Die Kostümbildnerin weist den Probanden mit ihrer Kleidung klare Gruppenzugehörigkeiten zu: Der Rechte (Philipp Quest) mit Bomberjacke, der Gymnasiast (Raimund Widra) mit Schlips, der türkische Möchtegernstar (Oliver Chomik) mit lila Anzug, Kettchen und Ring und der sexbesessene Proll (Raphael Gehrmann) mit Kapuzenshirt. Sie bedient damit natürlich Klischees, aber die Positionen sind klar.

Rasantes Spiel, aber kaum Szenen, die berühren

Spielerisch nutzen Regie und Darsteller alle Möglichkeiten, die die Textvorlage bietet. Sie bedienen die teils peppigen Dialoge. Sie geben den Figuren schauspielerisch Struktur, ohne sie zu denunzieren, markieren deutlich die Umschwünge in deren Gemütslage.

Doch die Geschichte, und das ist vor allem dem Autor und nicht der Crew anzulasten, hält nicht, was sie verspricht. Sie fließt so dahin. Auch als das Mädchen Alex (Jenny Langner) zur Truppe stößt, verändert sich der Spannungsbogen zwischen den Figuren wenig. Natürlich gibt es aggressive Ausfälle und handfeste Prügeleien, aber die Handlung bleibt an der Oberfläche und lotet die Konflikte in ihrer möglichen Schärfe nicht aus. Sven gebärdet sich im Verlauf des Geschehens gar nicht mehr rechts. Man fragt sich, warum. Konstantin bereut seine Tat. Man fragt sich, warum. Und zum Schluss schmeckt die Suppe und alles ist gut. Wenn es so einfach wäre! So geschieht es denn, dass die Inszenierung zwar zügiges, rasantes Spiel bietet, aber kaum Szenen, die emotional bestürzen oder berühren.

Zielgruppe sind Jugendliche ab 14 Jahren

Das Theater sieht als Zielgruppe für "Über Jungs oder Bin ich Küche" offensichtlich Jugendliche ab 14 Jahren vor. Ob die Aufführung tatsächlich junge Menschen für das Thema aufschließt, wird die Vorstellungspraxis erweisen.

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