Frankfurt/Hamburg (dpa) l "Guten Abend, meine lieben Freunde": Wenn der nette Fernsehonkel Bernhard Grzimek die Zuschauer so begrüßte, sahen die auch schon, welches Tier er diesmal mitgebracht hatte. Mal saß eine Gorilla-Dame neben ihm, mal ein Gepard vor ihm auf dem Tisch - live im Studio.

"Ein Platz für Tiere" war seine Sendung, ab 1956 brachte er mit ihr über Jahrzehnte alle Arten von Tieren in die deutschen Wohnzimmer. Was die Zuschauer nicht sahen und der Öffentlichkeit bis zum 100. Geburtstag der Tierschutz- und TV-Legende (1909-1987) weitgehend verborgen blieb: die Schattenseiten im Leben des Verhaltensforschers. Die zeigt nun Ulrich Tukur am Karfreitag (3. April/20.15 Uhr) in einem fast dreistündigen Film.

"Ein Familiendrama, wie geschaffen für einen Schauspieler - mit allen Höhen und Tiefen. Das hat mich gereizt", sagt Tukur. "Ich kannte auch nur das Bild des grauhaarigen Tier-Professors, der seine Zuschauer erbaulich belehrt und zu mehr Verantwortung erzieht", erinnert sich der 57-Jährige.

Dabei sei er ganz anders gewesen. "Was für ein ambivalenter, widersprüchlicher Mensch! Autoritär und hart auf der einen Seite, auf der anderen aber auch wieder beeindruckend empathisch und leidenschaftlich in seinem Kampf für Natur und Tierwelt." Der langjährige Frankfurter Zoodirektor ist eine Paraderolle für Tukur.

Die Hamburger Journalistin Claudia Sewig veröffentlichte 2009 die erste Grzimek-Biografie ("Der Mann, der die Tiere liebte"). Roland Suso Richter ("Die Spiegel-Affäre") inszenierte "Grzimek" und liefert eine 165-minütige Film-Biografie mit überzeugenden Darstellern, prächtiger Ausstattung und beeindruckenden Bildern. Gedreht wurde die UFA-Fiction-Produktion in Berlin, Frankfurt und Südafrika. 40 Jahre Zeitgeschichte in weniger als 50 Drehtagen, berichtet Ausstatter Michael König. Barbara Auer und Katharina Schüttler verkörpern Grzimeks Ehefrauen, Jan Krauter Sohn Michael.

"Es ist keine Heldengeschichte", sagt Tukur. Mit Grzimek kann er wieder großartig als zwiespältiger Charakter auftrumpfen. Dabei war sein erster Gedanke: "Was habe ich mit Grzimek zu tun?" Er sah sich nicht in dieser Rolle: "Schon rein körperlich passte das nicht. Ein ganz anderer Typ. Die näselnde Stimme, das Altväterliche, vieles an ihm wirkte unfreiwillig komisch." Doch als er das Drehbuch las, erfuhr er von einer Familiengeschichte, die es in sich hatte. Und die liest sich so: Tierarzt Grzimek rettet 1945 im kriegszerstörten Frankfurt den dortigen Zoo. Er baut die Frankfurter Zoologische Gesellschaft zu einer angesehenen Naturschutzorganisation auf, seine TV-Reihe "Ein Platz für Tiere" wird zu einem Straßenfeger.

Aber der Balanceakt zwischen Star auf der einen und Ehemann und Familienvater auf der anderen Seite fällt ihm immer schwerer. Zu seinem schwersten Schicksalsschlag wird der Tod seines geliebten Sohnes Michael, der beim Dreh zu der 1960 mit dem Oscar gekrönten Dokumentation "Serengeti darf nicht sterben" mit dem Flugzeug abstürzt. 1980 nimmt sich Adoptivsohn Thomas das Leben. Aus einer seiner zahlreichen Affären gingen zwei weitere Kinder hervor.

"Sein Privatleben war - für die damalige Zeit - eine einzige Katastrophe", meint Regisseur Richter. Grzimek war ein Visionär, ein Vorreiter für den Artenschutz, der "erste Grüne der Republik", wie Produzent Nico Hofmann ihn nennt - den Preis dafür zahlte die Familie. "Ich glaube, er liebte die Menschen nicht sonderlich. Sie waren für ihn unberechenbar und destruktiv", sagt Tukur. "Warum stürzte er sich denn so auf die Tiere? Das sind spannende psychologische Fragen. Der Mann trug mehr als einen Abgrund in sich."

Manch wichtige Fakten aus Grzimeks Leben berücksichtigt der Film nicht: Sohn Rochus aus der Ehe mit Hilde kommt gar nicht vor, Grzimeks zeitlebens bestrittene NSDAP-Mitgliedschaft nur am Rande. Im Anschluss an das Drama folgt eine Dokumentation, die auch auf die Zeit vor 1945 schaut. Mit der Fiktion scheinen zumindest Grzimek-Enkel Christian und seine Mutter Erika zufrieden zu sein, wie der Enkel erklärt: "Unsere überaus kritische Mutter war von diesem Drehbuch begeistert, und wenn ich Einwände hatte, so kommentierte sie dies unter anderem: ,Es muss doch etwas passieren, sonst schaut es doch keiner an.` Es passiert wirklich viel."

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