Magdeburg l Pierre Schäfers Arbeitsreich ist im Moment ein Postamt. Er ist kein Zusteller, sondern Regisseur. Er will keine Briefe an die Kunden bringen, sondern in einer Fantasiepoststelle mit den Postboten Franz und Karl die Geschichte von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" erzählen. Logisch, dass überall auf der Bühne Pakete stehen. Mal groß, mal klein, mal gut verschnürt, mal schlecht verpackt. Egal wie: "Aus diesen Paketen kommen die Geschichten", sagt Schäfer. Sie werden die Spielorte sein, liebevoll erdacht, detailreich und raffiniert zusammengebaut.

Schäfer greift sich einen großen Karton, bemalt als Wüste. Er klappt ihn auf. Wie eine Ziehharmonika geht er auseinander und wechselt das Bild. Aus der Wüste wird eine Oase mit Palmen und Eisstand. "Das ist unsere Fata Morgana." Schäfer schleppt weitere Kisten und zaubert beim Öffnen Vulkane herbei oder ein Schloss mit dem chinesischen Thron. Wie im Kinderbuchklassiker von Michael Ende entsteht eine einzige Fantasiewelt. "Ich hoffe, dass die Kinder gespannt sind, was aus welcher Kiste kommt."

Und natürlich fährt, dampft, raucht, schnauft, tutet Emma. "Sie ist eine richtige Emma. Ein fetziges Ding", freut sich der Regisseur und drückt schon mal die Knöpfe im Lokführerstand, dem Reich von Lukas. Die Lummerland-Lokomotive gibt herrliche Töne. Sie hat Scheinwerferaugen und einen beweglichen Schornstein. Wahrlich: Diese Emma kann Gefühle mitteilen.

Noch steht sie unbeweglich auf einem Förderband. In Bewegung gesetzt, kann die Lokomotive auf der Stelle fahren, vorwärts, rückwärts sowieso, längere Fahrten können simuliert werden. Und natürlich fällt von diesem Förderband auch das Paket, mit dem Jim Knopf, der schwarze Junge, sozusagen auf die Welt kommt.

Schäfer, Jahrgang 1962, ist wie viele andere großgeworden mit der Augsburger Puppenkiste und Jim Knopf und Lukas, Li Si, dem Drachen und der Insel Lummerland. Man spürt seine Begeisterung für das Stück. Die Zuschauer dürfen gespannt sein. Schäfers Regiearbeiten am Magdeburger Haus wie die Stücke "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" und "Zum Gück gibts Freunde" wurden zu Rennern.