Mit der Sonderausstellung " Zukunft seit 1560 " feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab Sonntag ihr 450-jähriges Jubiläum. In den ehemaligen Paraderäumen des Residenzschlosses sind 360 Exponate vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu sehen, sagte Kuratorin Karin Kolb. Sie dokumentieren die Entwicklung der ehemaligen kurfürstlichen Kunstkammer zum heutigen Museumsverbund mit rund zwei Millionen Besuchern pro Jahr.

Dresden ( epd / dpa ). Die Ausstellung mit den Teilen " Schöpfung ", " Verlangen ", " Wissbegierde ", " Konfrontation " und " Ausstrahlung " erstreckt sich über sieben Räume auf insgesamt 1 800 Quadratmetern. Gezeigt werden Kunstwerke, Kuriositäten, handwerkliche und naturwissenschaftliche Exponate, die in engem Zusammenhang mit den Kunstsammlungen stehen.

Zu den spektakulärsten Exponaten zählt eine vier Meter lange und 800 Kilogramm schwere Drahtziehbank von 1565. Die Leihgabe aus Frankreich, an der Drähte aus Silber und Gold gezogen werden konnten, fand einst am sächsischen Hof Verwendung.

Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer ( parteilos ) bezeichnete die Kunstsammlungen als das kulturelle " Flaggschiff " des Freistaates. Das Erbe sei aber Vermächtnis und Verpflichtung zugleich. Es müsse für die künftigen Generationen erschlossen werden, zum Beispiel durch den weiteren Ausbau der Museumspädagogik, sagte sie.

Zu weiteren herausragenden Exponaten der Ausstellung gehören Werke von Albrecht Dürer ( 1471-1528 ), historische Uhren und Kleidung sowie fernöstliches Porzellan. Ein Abschnitt geht außerdem auf

die Verluste aus der Nazi-Zeit durch Beschlagnahmungen von angeblich " entarteter " Kunst ein.

Außerdem sind sieben Gemälde aus dem sogenannten Sonderauftrag Linz zu sehen, deren Herkunft noch erforscht wird.

Sie wurden einst in Dresden für das von Adolf Hitler geplante Führermuseum im österreichischen Linz zusammengetragen. Historische Quellen belegen die Gründung der kurfürstlichen Kunstkammer im Dachgeschoss des Residenzschlosses im Jahr 1560. Damals wurde die Grundlage für eine der ältesten und bedeutendsten Sammlungen in Europa gelegt. Besonders geprägt und erweitert wurde sie

von August dem Starken ( 1670-1733 ) und seinem Sohn August dem III. ( 1696-1763 ).

Mit insgesamt zwölf Museen und einem in die Millionen gehenden Bestand bieten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine einzigartige thematische Vielfalt : Gemälde und Grafiken, Marmorbüsten und Bronzen, Preziosen und Juwelen, Möbel und Kostüme, Waffen und Rüstungen, Tafelsilber und Porzellan, Volkskunst und Ethnografica.

Neben dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum New York und der Eremitage in St. Petersburg zählen sie zu den bedeutendsten Museen der Welt. " Sie haben sich vom Besitz weniger Menschen zum Eigentum aller entwickelt ", sagt Generaldirektor Martin Roth. Ihr Ursprung liegt in der Sammlung sächsischer Kurfürsten und Könige.

Nach Angaben von Kunsthistorikerin Karin Kolb ist die 1560 gegründete Kunstkammer der Nukleus der heutigen Sammlungen. Ihre Gründung durch Kurfürst August sei in der ersten gedruckten Beschreibung eines Kunstkämmerers von 1671 erwähnt.

Gesammelt wurde allerdings schon davor : Landkarten, Gemälde, Möbel, Skulpturen, Kunsthandwerk, Jagdtrophäen, Mineralien sowie Wunderwerke der Technik bildeten den Schwerpunkt. " Von Anfang an war das Bemühen, das Bedeutendste, das technologisch Fortschrittlichste, State of the art also, zu besitzen, zu sammeln und die Bestände mit Blick auf die Zukunft zu formen ", erzählt Kolb.

Erst im März wurde im Residenzschloss die " Türckische Cammer " mit rund 600 orientalischen und orientalisierenden Exponaten eröffnet. Als neue Heimat für moderne Kunst soll im Juni das Albertinum wiedereröffnet werden.

Die Ausstellung " Zukunft seit 1560 " ist vom 18. April bis zum 7. November täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.